"Besorgniserregende" Statistik
Für die katholische Kirche sprach der Sekretär der Bischofskonferenz, Pater Hans Langendörfer, von einer "besorgniserregenden" Statistik. Er betonte die Bereitschaft zur Suche nach neuen Wegen: Initiativen wie "Maria 2.0" zeigten, dass die Menschen Veränderungen wollten. Der jetzt eingeleitete synodale Weg wolle das aufgreifen.
Der Ratsvorsitzende der EKD, Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, betonte, da die Menschen heute frei über ihre Kirchenmitgliedschaft entscheiden könnten, müsse die Kirche deutlicher machen, warum "die christliche Botschaft eine so starke Lebensgrundlage ist".
Der Generalsekretär des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Stefan Vesper, erklärte, die Zahlen müssten Ansporn sein, beim eingeschlagenen Reformprozess mutig und entschlossen voranzugehen. Die Initiative "Wir sind Kirche" erklärte, die Bischöfe müssten umsteuern. Auch die sinkende Teilnahme an Gottesdiensten belege, dass der Vertrauensverlust groß sei und die Umstrukturierung der Gemeinden zu einem Verlust von Beheimatung beitrage.
Die Erfurter Theologieprofessorin Julia Knop warf der Bischofskonferenz Beschönigung vor. Die sprunghaft gestiegene Zahl der Austritte sei ein "unzweifelhaftes Indiz für ein Katastrophenjahr", sagte sie dem Kölner Stadt-Anzeiger. Die Beteuerungen der Bischöfe, sich um neue Glaubwürdigkeit zu bemühen, schlügen nicht durch.
Der Religionssoziologe Detlef Pollack riet, neben Kritik auch positive Aspekte in die Debatte zu bringen. "Ich denke, dass die Menschen in der Kirche anfangen müssen, über die Kirche gut zu reden. Wenn die ganze Zeit nur Kritik geübt wird, dann hat das eine verheerende Wirkung auf das Image", sagte er der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).
Das bedeute aber nicht, dass Kritik wie etwa die Frauen-Protestaktion Maria 2.0 kontraproduktiv seien, betonte er. Das dürfe jedoch nicht alles sein. "Es sollten sich auch die zu Wort melden, die brav jede Woche zur Messe gehen und darunter leiden, dass die Kirche so ein schlechtes Image hat."

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