LesungenDas schwarze Brett 2Gottesdienste

Die neue Hoffnung

Es ist nicht zu leugnen:
was viele Jahrhunderte galt,
schwindet dahin. Der Glaube,
höre ich sagen, verdunstet.
                             Gewiss, die wohlverschlossene
                             Flasche könnte das Wasser
                             bewahren. Anders die offene
                             schale: sie bietet es an.
                                                Zugegeben: nach einiger Zeit
                                                findest du trocken die Schale,
                                                das Wasser schwand. Aber merke:
                                                die Luft ist jetzt feucht.
                                                           Wenn der Glaube verdunstet,
                                                           sprechen alle bekümmert von
                                                           einem Verlust. Und wer von
                                                           uns wollte dem widersprechen?
                                                                        Und doch: einige wagen
                                                                        trotz allem zu hoffen.
                                                                        Sie sagen: Spürt Ihr’s noch nicht?
                                                                        Glaube liegt in der Luft!

                                                                                                               Lothar Zenetti

Blindheit

Es war einmal ein Huhn, Klara genannt, das lief aufgeregt gackernd am Zaun entlang, denn es wollte zu dem Futter, das auf der anderen Seite lag.
Klara war schon dem Verhungern nahe, und so versuchte sie alles Mögliche: Sie probierte über den Zaun zu fliegen, doch er war zu hoch. Sie suchte eine Lücke, doch es gab keine. Sie stieß mit aller Kraft gegen den Zaun, doch er gab nicht nach. So rannte sie in immer größerer Panik hin und her, bis sie tot umfiel.
Das einzige, was sie nicht getan hatte, war, sich ein paar Meter vom Futter und dem Zaun zu entfernen. Denn dann hätte sie entdecken können, dass der Zaun nach 10 Metern Breite aufhörte ...
                                                                aus: Marco von Münchhausen / "Wo die Seele auftankt".
                                                                       Bild: Doris Michael in Pfarrbriefservice.de
Für mich ist das eine Geschichte mit hohem Erkenntniswert: Wie oft sind wir so aufgebracht, aufgewühlt oder durcheinander, dass die einfachsten Dinge nicht mehr erkannt werden? Einfach mal durchatmen und dann neu überlegen....
Unser Bischof riet vor Jahren zu einer Atempause für diözesane Projekte und konzeptionelle Strategien, die notwendig sei. Bevor immer weiter und immer schneller getagt und getagt würde, um die Zukunft des Bistums und die Zukunft der Pastoral und der Gemeinden vorab zu beschreiben, solle erst einmal eine Pause gemacht werden. Die Dinge sacken lassen und dann mit Ruhe und einigem Abstand dann noch einmal anzuschauen und vielleicht ganz anders zu beurteilen als im Hype der immer schnelleren Sitzungen und runden Tische und, und und...
Entschleunigen, auch ohne Corona- um das Wesentliche wieder zu sehen, um zu erkennen, dass der Zaun keine endlose Gerade bildet, sondern nach einigen Metern rechts und links aufhört....
Übrigens: nach einer Definition von J.B. Metz ist die kürzeste Umschreibung für Religion: "Unterbrechung". Stopp sagen, pausieren...und dann eine neue Sichtweise einbringen, nicht das ewig Gesagte und Praktizierte einfach immer weiter machen, sondern von der Botschaft Jesu und dem Blick Gottes aus neu hinschauen und Neues aussagen.

Kraftquellen vor Ort - von Andrea Schwarz

Nach meinem Vortrag zum Thema „Kraftquellen, aus denen ich lebe“ auf der Insel Spiekeroog saßen wir im kleinen Kreis noch ein wenig beieinander – „hinter’m Turm“. Die Kirche St. Peter liegt am Westrand des Ortes und wenn man auf die andere Seite der Kirche geht, hat man nur noch die Dünenlandschaft vor sich – und die Weite des Himmels.
Der Wind hatte aufgefrischt – die Wolken zogen schnell, wechselten Form und Farbe, letzte Reste von Tageslicht hingen am Horizont. Langsam brach die Dunkelheit herein, der Abendstern zeigte sich – und dann ging im Süd-Osten der Vollmond auf. Ab und an aus der Ferne der Ruf eines Vogels, leise, ruhige Gespräche, ein Glas Wein … aber immer wieder ging mein Blick in die Weite hinaus, über der das Licht des Mondes lag.
Fast war es wie eine konkrete Umsetzung dessen, was ich im Vortrag gesagt hatte: Orte und Zeiten können Kraftquellen sein, wenn ich sie bewusst wahrnehme, Weggefährten sind wichtig, mit denen ich im Glauben an Gott verbunden bin, auch wenn sich die Wege vielleicht nur für einen Abend kreuzen. Den Rhythmus von Tag und Nacht erleben, die Faszination der Natur … in dieser Stunde kam vieles zusammen, was einfach gut tat, Frieden schenkte, Balsam für die Seele war.
Als es kühl wurde, löste sich die Runde auf, aber ich stand noch lange draußen, schaute den Wolken zu, dem Licht des Vollmondes – und sah auch noch eine Sternschnuppe.
Am nächsten Morgen, in den Häusern war noch alles ruhig, saß ich mit einem Tee vor der Tür. Zur Kirche führt ein Plattenweg, etwa drei Meter breit, rechts und links davon wachsen wilde Gräser, circa 30 cm hoch. Plötzlich entdeckte ich den kleinen Kopf eines Vogels, der sich für einen Moment hochreckte und wieder verschwand – und einen halben Meter entfernt noch einen kleinen Kopf. Und dann stand da plötzlich am Rand des Weges eine Fasanenhenne, sicherte circa eine Minute, trippelte dann bis zur Mitte des Weges und blieb da stehen. Neugierig beobachtete ich, was jetzt wohl passieren würde. Aus dem Gras tauchte ein Küken auf, rannte zur anderen Seite und versteckte sich da sofort wieder. Die Henne blieb in der Mitte stehen – und dann kam ein zweites Küken, riskierte den Übergang – und weg war es. Die Henne machte einige Schritte zur anderen Seite, schaute sich aber nochmal um. Und dann kam schließlich noch ein drittes Küken, so ein kleiner Nachzügler, und als es in Sicherheit war, tauchte auch die Henne wieder in das hohe Gras ein – und von der kleinen Familie war nichts mehr zu sehen.
Ich musste schmunzeln … die Szene erinnerte mich doch sehr an die Schülerlotsen vor unseren Schulen! Und dieses Geschenk der Natur, die umsichtige Fasanenmutter und ihre drei Küken – das war grad noch einmal so eine Kraftquelle am frühen Morgen.
Mit diesem Lächeln und dem Frieden der nächtlichen Vollmond-Stunde im Herzen konnte ich dann auch wieder gut mit der Fähre zurück aufs Festland und in meinen Alltag fahren.
Um solche Kraftquellen zu entdecken, muss man gar nicht erst groß in den Flieger steigen, die liegen manchmal ganz einfach direkt vor der Tür … 
                                    Artikel als Blog veöffentlicht auf der Internetseite des Bistums Osnabrück                                         Foto: Nikolas Loth in www.Pfarrbriefservice.de

Unterscheidung

Nicht was du hast

oder wer du bist

oder wo du bist

oder was du tust,

macht dich glücklich

oder unglücklich,

sondern wie du

dazu stehst. 
                                                                    Dale Carnegie in "Frau und Mutter Nr 07.08.2020

Komisch

Komisch, dass 100 Euro so viel scheinen, wenn man sie für einen guten Zweck spenden soll, aber so wenig, wenn man einkaufen geht.
Komisch, wie lange es dauert, eine Stunde im Gottesdienst zu sein, aber wie schnell 90 Minuten Fußball oder ein Krimi im Fernsehen vergehen.
Komisch, wie schwierig es ist, anderen etwas aus der Bibel zu erzählen, aber wie einfach es ist, Klatsch und Tratsch zu verbreiten.
Komisch, dass wir oft nicht wissen, was wir beten sollen, aber dass wir unserem Freund immer etwas zu erzählen haben.
Komisch, wie schwierig es ist, in der Heiligen Schrift zu lesen, aber wie einfach es ist, 100 Seiten aus einem Bestseller zu verschlingen.
Komisch, dass Menschen in einem Konzert liebend gern in den vorderen Reihen sitzen, sich aber in der Kirche in die letzte Reihe quetschen.
Komisch, wie rasend schnell sich Witze im Internet verbreiten, aber wenn jemand anfängt, Nachrichten über Gott mitzuteilen, stockt die Verbreitung.
Komisch, dass wir der Zeitung glauben, was sie schreibt, dass wir die Worte der Bibel jedoch infrage stellen.
Komisch, dass wir zwei oder drei Wochen Vorplanung brauchen, um ein kirchliches Ereignis in unsere Planungen aufzunehmen, an anderen Ereignissen jedoch noch im letzten Augenblick teilnehmen.
Komisch, dass wir uns mehr Gedanken darüber machen, wie die Menschen über uns denken als darüber, wie Gott über uns denkt.
Komisch, dass viele in den Himmel kommen wollen –Hauptsache, man muss nicht glauben und nicht denken, nichts sagen und nichts tun.

Quelle: Bardeler Fastenmeditationen 2019, Seite 28.
Bild:question-mark-2123967_1920_by_terovesalainen_cc0-gemeinfrei_pixabay_pfarrbriefservice.jp

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