Lesungen          Gottesdienste

Es spricht nicht viel dafür, dass es dich gibt, Gott.
Vielleicht haben die Recht, die dich für eine Projektion halten,      
für das Produkt infantiler Wünsche.
Aber:
Sollte wirklich hinter allem Sinn die Sinnlosigkeit lauern,
hinter aller Ordnung das Chaos, hinter aller Liebe die Kälte,
hinter allem Vertrauen die Verzweiflung?
Es spricht nicht viel dafür, dass der Mensch mehr ist als ein Tier,
Zufallsergebnis der Evolution, Irrläufer des Kosmos,
im Gefängnis von Bedürfnissen und Aggressionen.
Aber:
Sollte der Mensch wirklich ein tragisches Wesen sein
Freiheit erfahrend, die keine ist, Sehnsucht verspürend, die nie erfüllt wird,
alle Grenzen sprengend und doch im Erdloch hockend?
Es spricht nicht viel dafür,
dass in einem galiläischen Rabbi der Himmel auf die Erde gekommen ist,
dass sich in ihm das tiefste und heiligste Geheimnis als unendliche Liebe kundgetan hat.
Vielleicht war er nichts als ein Wanderprediger, wie andere auch.

Aber:
Gab es je einen Menschen, der glaubwürdiger Mensch war, der lauterer, heiliger, freier, konsequenter, wohltuender war als er, der die Liebe radikaler gelebt hat?
Und: Könnte nicht die Paradoxie des Kreuzes die wahre Weisheit sein?
Es spricht nicht viel dafür,
dass der Mensch nicht tot ist, wenn der Körper zerfällt,
dass das Ich nicht erlischt, wenn die Instrumente verstummen.
Aber: Könnte nicht alles ganz anders sein, als der Augenschein wahrhaben will:
dass sich in allem Kleinen das Große verbirgt, in allem Natürlichen das Übernatürliche,
in allem Menschlichen das Göttliche, in allem Tod das Leben?
Es spricht nicht viel dafür, Gott.
Aber Du sprichst dafür.
Du hast mich betört, o Herr, und ich ließ mich betören. (Jer 20,7) Amen.
                                                                                       (Paul Thiry d’Holbach 1723-1789)

Über 200 Jahre alt ist dieser Text - doch er könnte heute geschrieben worden sein. Die Frage nach Gott und die Möglichkeit, andere von seiner Existenz zu überzeugen ist heute vielleicht noch schwerer geworden. Die Theologie hat sich entwickelt, sie hält Anfragen auch stand - aber am Ende kommt es wie bei d`Holbach darauf an, seine eigenen Antwort zu geben - mit einem Sprung in den Glauben hinein. Es ist, wie Hans Küng immer wieder betont, nicht unvernünftig, an Gott zu glauben, aber neben aller Vernunft muss dann das finale "Ja" erfolgen, das nicht Endergebnis von Reflexion ist, sondern Vertrauen, begründetes Vertrauen.            (Bild: Martha Gahbauer in: Pfarrbriefservice.de) 

Ist das schon Heiliger Geist?

es kam kein Sturmwind mit Brausen,
auch vermochte ich nicht,
in fremden Sprachen zu reden.

Hin und wieder spürte ich jedoch neue Kraft
mitten in der Tretmühle des Alltags.

Hin und wieder war der Mut da,
einzutreten für das Recht
des an den Rande Gedrückten.

Hin und wieder sprengte ich
alte Denkmuster und Gewohnheiten,
hatte Geduld und Verständnis.

Hin und wieder wich die Bitterkeit
und Enttäuschung aus meinem Herzen
und staunte ich über meine Heiterkeit.

Hin und wieder nahm ich Verwundungen an
als Gottes geheimnisvolle Orte des Lernens.

Hin und wieder hatte ich den Mut
zu einem unangenehmen Gespräch,
packte ich eine lange hinausgeschobene Arbeit an.

Hin und wieder – und doch selten genug -
steckte eine geheimnisvolle Kraft mich an -
Ob da wohl der Geist Gottes wirksam war?

Irmela Mies-Suermann, In: Pfarrbriefservice.de

"Ach wäre ich doch....!"

Ich selbst sein, nicht eine Kopie oder auch nur ein Kopieversuch einer anderen Person, das ist eine wichtige Lernerfahrung im Leben. Die nachfolgende Geschichte von Max Bolliger macht dies anschaulich:

"Auf einer Wiese lebte eine Maus, die sich so sehr vor Katzen fürchtete, dass sie sich nicht mehr ins Freie wagte. »Ach, wäre ich eine Katze«, seufzte sie.Sie wäre verhungert, wenn nicht ein Dichter ihr Seufzen gehört und ihr den Wunsch erfüllt hätte. Nun brauche ich keine Angst mehr zu haben, dachte die in eine Katze verzauberte Maus. Doch als sie über die Wiese lief, um Mäuse zu fangen, stellte sich ihr ein Wolf entgegen.
Er hätte sie gefressen, wenn sie nicht auf einen Baum geklettert wäre. »Ach, wäre ich ein Wolf«, seufzte sie. Auf dem Baum säße sie heute noch, wenn nicht der Dichter ihr Seufzen gehört und ihr den Wunsch erfüllt hätte.
Nun brauche ich keine Angst mehr zu haben, dachte die in einen Wolf verzauberte Maus. Doch als sie über eine Weide lief, um ein Schaf zu reißen, erschien ein Löwe. Er hätte sie gefressen, wenn sie nicht in einer Höhle Zuflucht gefunden hätte. »Ach, wäre ich doch ein Löwe«, seufzte sie.
In der Höhle säße sie heute noch, wenn nicht der Dichter sie entdeckt und ihr den Wunsch erfüllt hätte. Nun bin ich der König aller Tiere und brauche mich vor nichts und niemandem mehr zu fürchten, dachte die in einen Löwen verzauberte Maus.
Doch als sie sich in die Sonne legte, um endlich das Leben zu genießen, kam ein Jäger daher und hätte sie erschossen, wenn nicht im allerletzten Augenblick der Dichter gekommen wäre und sie wieder zu dem gemacht hätte, was sie war, eine Maus.
Als der Jäger mit angelegtem Gewehr zu seinen Füßen plötzlich etwas rascheln hörte und anstelle eines Löwen eine Maus sah, schrie er auf, warf die Flinte ins Korn und machte sich davon.
Die Maus aber kehrte auf die Wiese zurück, um allen Mäusen zu erzählen, was sie erlebt hatte. Vor allem prahlte sie, wie sie sogar einen Jäger in die Flucht geschlagen hatte.
Und sie war so glücklich, dass sie keinen anderen Wunsch mehr hatte, als sie selbst zu bleiben, eine zarte kleine Maus. ... *

Kein »ach wär ich doch, ach könnte ich doch« – die Kunst ist, einfach ich selbst zu sein.
Seien Sie einfach gerne Sie,

Max Bolliger   (Veröffentlichungsort unbekannt)

Darauf kannst du dich verlassen: Hoffnung wächst nicht in den Himmel –
Liebe bewahrt nicht vor Leid – Vertrauen schützt nicht vor dem Tod. Alle
Wege führen zum Grab. Am Grab beginnen alle Wege neu: Vertrauen überdauert
den Tod – Liebe überwindet das Leid – Hoffnung wächst in den Himmel.
Darauf kannst Du dich verlassen: OSTERN. (Eleonore Beck)

In Corona*Pein gelassen sein
was fällt mir – ganz persönlich – dazu ein?

mit  Ruhe  abwarten  —  na  ja  —  schaun  mer  mal — stets  bereit,  Neues   zu   erleben   —  und  — Anderes vielleicht sogar  —  GanzAnderes  — dafür offen sein - frisch, froh, fromm  und frei  ----  im  Ja  zu  mir  selber —  so  wie  ich  bin   —  leben  im   Corona*-Vir(r)warr und zugleich darüber hinaus —  ist das denn möglich?
—  bin  echt gespannt   —  entspannt  optimistisch  — und   ohne   Stress   geduldig    —    sich   überraschen lassen   —  komme   was  kommt   —   auch  Schweres, Hartes,  Unbegreifliches  —  Geheimnis  des Lebens in  dem,  aus  dem  und  mit  dem  —  ich  mir  wie  dir, meinem  nahen  Nächsten  —  auch  dem  Fernsten  — den  Hauch  von Liebe, Glück, Mut, Freude  gönne  und wünsche  — zu erfahren und zu bewahren —  ja,  und bei alledem  —  dann  und  wann  —  einfach  mal  nur da sein  —  ohne ein Warum   —  und  ohne ein  Wozu — schon  —  und noch  —  und doch  gelassen  sein  —  und bleiben

                                                Text: Klaus Jäkel, In: Pfarrbriefservice.de  Bild: Melanie_Zils in: Pfarrbriefservice.de