Glauben und Glauben

„ Noch viele andere Zeichen, die in diesem Buch nicht aufgeschrieben sind, hat Jesus vor den Augen seiner Jünger getan. Diese aber sind aufgeschrieben, damit ihr glaubt, dass Jesus der Messias ist, der Sohn Gottes, und damit ihr durch den Glauben das Leben habt in seinem Namen“
                                
(Epilog des Johannesevangeliums Joh 20,30-31)

„Glauben“ sagen wir, doch meinen wir oft ganz Unterschiedliches. In der Art Jesu zu glauben ist aber etwas Eindeutiges, das sich ausweist durch eine positive, menschenfreundliche, befreiende Blickrichtung. In bis heute unübertroffener und weiterhin gültiger Weise hat dies Lothar Zenetti schon vor Jahren ins Wort gebracht:

Zwischen Glauben und Glauben
besteht ein Unterschied:
es gibt einen Glauben, der trennt
und einen, der zusammenführt.
Es gibt einen Glauben, der fordert und richtet,     
und einen, der hinweist und hilft.
Es gibt einen Glauben, der tötet,
und einen, der stützt und ermutigt.
Es gibt einen Glauben, der zum Verständnis befreit,
und einen, der Intoleranz fördert.
Es gibt einen Glauben, der auf den Menschen zielt,
und einen, der von ihm ablenkt.
Es gibt einen Glauben, der Wege zur Hilfe zeigt,
und einen, der alles zum Schicksal erklärt.
Es gibt einen Glauben, der Tränen trocknet,
und einen, der hartherzig macht.
Es gibt einen Glauben, der Tote zum Leben erweckt,
und einen, der Leben verhindert.
Es gibt einen Glauben, der die Phantasie anregt,
und einen, der einfallslos macht.
Zwischen Glauben und Glauben
besteht ein Unterschied.

OHNE ZU LÜGEN

Schaffe in mir gott ein neues herz 

das alte gehorcht der gewohnheit

schaff mir neue augen

die alten sind behext vom erfolg

schaff mir neue ohren

die alten registrieren nur unglück

und eine neue liebe zu den bäumen

statt der voller Trauer

eine neue zunge gib mir

statt der von der angst geknebelten

eine neue sprache gib mir

statt der gewaltverseuchten

die ich gut beherrsche

mein Herz erstickt an der ohnmacht

aller die deine Fremdlinge lieben

schaffe in mir gott ein neues herz

Und gib mir einen neuen geist

dass ich dich loben kann

ohne zu lügen

mit tränen in den augen

wenns denn sein muss

aber ohne zu lügen

Dorothee Sölle   -  
                      Der Text entstammt einer Sammlung von Pax Christi OS für Friedentexte/-gebete

Von der Weisheit der Ameisen
Das Buch der Sprichwörter aus dem sog. Alten Testament ist, so Wolfgang Raible in "Anzeiger für die Seelsorge" 7/8 2015, ein Handbuch der Lebenskunst . So alt es ist, nämlich fast 2500 Jahre, so aktuell ist es doch noch oft für unsere Welt, die Kirche, unser Alltagsleben. Und daraus dann ein Beispiel, das unseren geordneten Strukturen echt zuwiderzulaufen scheint:

"Geh zur Ameise, du Fauler, betrachte ihr Verhalten und werde weise. Sie hat keinen Meister, keinen Aufseher und Gebieter, und doch sorgt sie im Sommer für Futter, sammelt sich zur Erntezeit Vorrat." (Sp. 6,6ff) Nach dem Buch Hiob hat Gott dem Menschen die Tiere als Lehrmeister gegeben. Die Ameise begegnet uns hier als Vorbild für unermüdliche und wohlorganisierte Arbeit. Jede Einzelne setzt sich ungezwungen und eigenverantwortlich ein für die anderen ein und sorgt durch ihren Fleiß für das Überleben aller. Auch ohne erkennbare Leitungsstrukturen herrscht kein Chaos im Ameisenhaufen. Stellen Sie sich das einmal vor: Vorgesetzte befehlen und drohen nicht, sondern vertrauen darauf, dass Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter selbst Ideen für ein gut koordiniertes Zusammenwirken entwickeln....