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Z  usammengehörigkeit erleben
E  rneuerung als Ziel
I   nnehalten und Stille zulassen
T  iefe erleben

Gaby Bessen, In: Pfarrbriefservice.de

Benediktinerabt: "Einziges liturgisches Gewand Jesu ist die Schürze"
In einem neuen Buch beschäftigt sich der Benediktinerabt Johannes Eckert mit den Fragen Jesu im Johannes-Evangelium – und entdeckt im Verhalten des Gottessohns gleichzeitig Antworten auf drängende Fragen der Kirche von heute.

Von Barbara Just (KNA) |  München - 04.01.2021

In seinem neuen Buch "Was sucht ihr?" beschäftigt sich der Benediktinerabt von Sankt Bonifaz München und Kloster Andechs, Johannes Eckert, mit den Fragen Jesu im Johannes-Evangelium. Die Katholische Nachrichten-Agentur (KNA) unterhielt sich mit ihm darüber, warum in der Kirche das Fragen wichtig ist, weshalb Geistliche nicht immer Antworten haben müssen und wie die Kirche Glaubwürdigkeit zurückgewinnen könnte.
Frage: Abt Johannes, wer im Internet wissen will, was 2021 bringt, erhält vor allem Links zu Horoskopen. Ist das phänotypisch, dass die Antworten bei den Astrologen gesucht werden?
Abt Johannes:
In Buchhandlungen finden sich ja auch die theologischen Werke gleich neben jenen zu Spiritualität und Esoterik. Die einen schimpfen darüber; ich sehe darin eher eine Chance, Menschen zu erreichen, die auf der Suche sind. Viele Menschen suchen heute Innerlichkeit. Bei dieser Suchbewegung sind wir beim Johannes-Evangelium. Der Evangelist oder die Redaktion, die dahintersteht, wollen erschließen, dass in diesem Jesus von Nazareth wirklich Gottes Sohn zur Welt gekommen ist. Deshalb gibt es so Sätze wie "Wer mich sieht, sieht den Vater", also, dass man an Jesus ablesen kann, wie Gott ist.
Frage: Im "Sesamstraße"-Lied heißt es "Wer nicht fragt, bleibt dumm". Gilt das auch für den christlichen Glauben?
Abt Johannes:
Das Fragen und der Umgang damit muss in der Kirche wieder gelernt werden. Gerade wir Geistlichen sind es gewohnt, immer nur Antworten zu geben. Aber in der geistlichen Begleitung geht es darum, zuzuhören und echte Fragen zu stellen. Solche, die einen selbst beschäftigen, und solche, die dem anderen weiterhelfen. Die ersten Worte, die Jesus an die Menschen richtet, lauten: Was sucht ihr? Das ist d i e Lebensfrage. Sie taucht wieder am leeren Grab Jesu auf. An einer Dogmatik kann man sich orientieren, aber sie darf nicht dazu führen, dass keine Fragen mehr gestellt werden. Gott ist Frage und nicht gleich Antwort, wie der Schweizer Theologe Kurt Marti sagt.
Frage: Sie reflektieren elf von Jesus gestellte Fragen. Welche hat Sie am stärksten bewegt?
Abt Johannes:
Die Frage Jesu, die er an Pontius Pilatus richtet, nämlich: "Sagst Du das von Dir aus oder haben es andere über mich gesagt."
Frage: Warum?
Abt Johannes:
Was ich über Jesus erfahren habe, wurde mir von den Eltern, in der Pfarrgemeinde, im Theologiestudium vermittelt. Aber was ist er für mich? Wäre ich in einem anderen Kulturkreis geboren, würde ich vielleicht zu dem Ergebnis kommen, Jesus war ein besonderer Mensch wie Mahatma Gandhi oder Martin Luther King. Ich bin dankbar, ein positives, angstfreies und vertrauensvolles Jesus-Bild vermittelt bekommen zu haben. Aber ich bin vorsichtig geworden. Natürlich hoffe ich, dass er für mich der Sohn Gottes und Erlöser ist, der mich mal hineinnimmt in die große Liebe und dann die letzte Frage stellt: Liebst Du mich? Aber Fragen an ihn bleiben.
Frage: Ein Pandemiejahr liegt hinter uns. Auch sonst passieren Katastrophen und Leid. Selbst ein gläubiger Mensch fragt sich: Wie kann Gott das zulassen?
Abt Johannes:
Auf die Frage nach dem Warum werden wir keine Antwort finden. Diese bleibt Gott uns schuldig. Doch im Angesicht meines Todes erwarte auch ich von ihm eine Antwort auf das Leid. Im Blick auf Jesus von Nazareth kann ich sagen, er teilt das Leid bis in die Nacht des Todes mit uns. Ich kann versuchen, das Warum in ein Wozu zu wenden. Das ist jedoch ein langer Prozess. Mich erstaunen immer wieder Menschen, die dies können und sagen, durch die Einschränkungen ihrer Krankheit sei ihr Leben intensiver geworden. Aber warum Gott Leid zulässt, darauf habe ich keine Antwort.
Frage: Das muss man zugeben können ...
Abt Johannes:
... und aushalten. Durch die Heilige Schrift zieht sich die Erfahrung von Nacht, wo nicht der Mensch Gott verlassen hat, sondern wo der Mensch sich von Gott verlassen fühlt. Da geht es um die Gottesfrage ganz konkret.
Frage: Die katholische Kirche ist in große Turbulenzen geraten. Grund ist der Missbrauchsskandal und seine Folgen. Viele wenden sich ab. Die Jesus-Frage "Wollt auch ihr weggehen?" wird heute von Tausenden mit Kirchenaustritt beantwortet. Wie sehen Sie dies?
Abt Johannes:
Die von Jesus gestellte Frage sollten wir nicht auf die Kirche übertragen. Wenn heute jemand aus der Kirche austritt, muss es nicht geschehen, weil ihm Jesus fremd geworden ist, sondern die Institution. Wer als kritischer Geist oder gar als Opfer zu dem Schluss kommt, das hat doch mit Jesus von Nazareth nichts zu tun, damit möchte ich nichts zu tun haben, hat recht - vielleicht nicht unbedingt, was den Austritt betrifft. Menschen in dieser Kirche, die Verantwortung tragen, haben sich durch ihr Verhalten von Jesus wegbewegt. Deshalb braucht es eine Umkehr.
Frage: Und wie?
Abt Johannes:
Das Reich Gottes beschränkt sich nicht auf die Kirche. Ich bin immer wieder überrascht, wie selbstverständlich Menschen ihre Hilfe anbieten. Da wird spürbar, dass sie aus dem Geist Jesu handeln. Über unser Engagement in der Obdachlosenarbeit heißt es oft, das sei Christentum. Die Zukunft der Kirche muss im sozialen Bereich liegen. In der Pandemie beschränkt sich Kirche sehr stark auf das Thema Gottesdienste, aber genauso wichtig ist die gelebte Nächstenliebe. Das einzige liturgische Gewand, das Jesus anzieht, ist die Schürze, um den Jüngern die Füße zu waschen. Sie ist die Schutzkleidung, die Menschen etwa auf der Intensivstation anlegen, um andere zu pflegen. Wenn da Kirche erfahrbar wird, dann ist sie glaubwürdig.

Hinweis: Das Buch "Was sucht ihr? Frag-würdige Einsichten ins Johannesevangelium" von Abt Johannes Eckert ist im Herder-Verlag erschienen und kostet 20 Euro.

Von Barbara Just (KNA) Quelle: Das Interview wurde am 4.1.21 in katholisch.de veröffentlicht

Der Patmos-Verlag schickt immer mal wieder Neuigkeiten aus seinem Buchangebot und gerade jetzt auch immer eine kleine Geschichte oder Gedanken zum Einstieg. Die folgenden Gedanken sind von Andrea Niederstadt und sind ermutigend: 

 

"...den Topf gerade noch rechtzeitig vom Herd gezogen. Den Zug auf den letzten Drücker erwischt. Ein Quäntchen Glück macht so oft den Unterschied. Ein Quäntchen, das sind 4 Gramm. Ein winziges Etwas, das ausreicht, um Dinge zu ändern, einen Knoten zu lösen, das Blatt zu wenden. Es muss nicht immer eine große Sache sein. Manchmal reicht eine Winzigkeit. Das macht mir Mut.
Was schenkt uns allen in diesem Advent Geborgenheit, Licht und Mut?
Vielleicht Ihr ganz persönliches Quäntchen…"

 

Bild: Herbert2512 by pixabayin: Pfarrbriefservice.de

Die neue Hoffnung

Es ist nicht zu leugnen:
was viele Jahrhunderte galt,
schwindet dahin. Der Glaube,
höre ich sagen, verdunstet.
                             Gewiss, die wohlverschlossene
                             Flasche könnte das Wasser
                             bewahren. Anders die offene
                             schale: sie bietet es an.
                                                Zugegeben: nach einiger Zeit
                                                findest du trocken die Schale,
                                                das Wasser schwand. Aber merke:
                                                die Luft ist jetzt feucht.
                                                           Wenn der Glaube verdunstet,
                                                           sprechen alle bekümmert von
                                                           einem Verlust. Und wer von
                                                           uns wollte dem widersprechen?
                                                                        Und doch: einige wagen
                                                                        trotz allem zu hoffen.
                                                                        Sie sagen: Spürt Ihr’s noch nicht?
                                                                        Glaube liegt in der Luft!

                                                                                                               Lothar Zenetti

Blindheit

Es war einmal ein Huhn, Klara genannt, das lief aufgeregt gackernd am Zaun entlang, denn es wollte zu dem Futter, das auf der anderen Seite lag.
Klara war schon dem Verhungern nahe, und so versuchte sie alles Mögliche: Sie probierte über den Zaun zu fliegen, doch er war zu hoch. Sie suchte eine Lücke, doch es gab keine. Sie stieß mit aller Kraft gegen den Zaun, doch er gab nicht nach. So rannte sie in immer größerer Panik hin und her, bis sie tot umfiel.
Das einzige, was sie nicht getan hatte, war, sich ein paar Meter vom Futter und dem Zaun zu entfernen. Denn dann hätte sie entdecken können, dass der Zaun nach 10 Metern Breite aufhörte ...
                                                                aus: Marco von Münchhausen / "Wo die Seele auftankt".
                                                                       Bild: Doris Michael in Pfarrbriefservice.de
Für mich ist das eine Geschichte mit hohem Erkenntniswert: Wie oft sind wir so aufgebracht, aufgewühlt oder durcheinander, dass die einfachsten Dinge nicht mehr erkannt werden? Einfach mal durchatmen und dann neu überlegen....
Unser Bischof riet vor Jahren zu einer Atempause für diözesane Projekte und konzeptionelle Strategien, die notwendig sei. Bevor immer weiter und immer schneller getagt und getagt würde, um die Zukunft des Bistums und die Zukunft der Pastoral und der Gemeinden vorab zu beschreiben, solle erst einmal eine Pause gemacht werden. Die Dinge sacken lassen und dann mit Ruhe und einigem Abstand dann noch einmal anzuschauen und vielleicht ganz anders zu beurteilen als im Hype der immer schnelleren Sitzungen und runden Tische und, und und...
Entschleunigen, auch ohne Corona- um das Wesentliche wieder zu sehen, um zu erkennen, dass der Zaun keine endlose Gerade bildet, sondern nach einigen Metern rechts und links aufhört....
Übrigens: nach einer Definition von J.B. Metz ist die kürzeste Umschreibung für Religion: "Unterbrechung". Stopp sagen, pausieren...und dann eine neue Sichtweise einbringen, nicht das ewig Gesagte und Praktizierte einfach immer weiter machen, sondern von der Botschaft Jesu und dem Blick Gottes aus neu hinschauen und Neues aussagen.

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