LesungenDas schwarze Brett 2Gottesdienste

Nie wieder? - Zwischen Judenhass und Judenhetze

Das neue Heft der Franziskanermission beschäftigt sich mit dem Thema "Was ist Wahrheit? Populismus weltweit". Darin ist auch eine Predigt von Pater Wessel, die er am 9. November gehalten hat. Angesichts immer neuer Fälle von Judenhass und Rassismus ist sie es wert, hier wiedergegeben zu werden:

<< Die Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 ging als die »Reichskristallnacht« in die Geschichte ein. Es war die Zeit, als das Kreuz Haken bekam, und dieses Kreuz brachte die Hölle: Eingeschlagene Fenster, zerfetzte Gardinen, Möbel wurden auf die Straße geworfen. SS-Leute trieben Juden barfuß durch Glassplitter. Die Synagoge in Dortmund-Hörde wurde in Brand gesteckt, die in Dortmund-Dorstfeld demoliert, die Große Synagoge in der Stadt, wo heute das Stadttheater steht, wurde schon vorher halb abgerissen. Behinderte verschwanden über Nacht. Die Presse feierte das Ganze als »spontane Erhebung«. 1.039 Dortmunder Juden starben in den folgenden Jahren in den Konzentrationslagern.
Immer wieder kann man hören: »Was habe ich mit dem Holocaust zu tun? Ich war doch noch ein Kind.« Oder: »Ich lebte doch noch gar nicht. Irgendwann muss man unter dieses Kapitel doch mal einen Schlussstrich ziehen.« Aber genau das dürfen wir nicht. Für den Friedensnobelpreisträger Elie Wiesel ist Erinnerung die Voraussetzung für Versöhnung. Man muss davon reden, weil es immer wieder neue »Sündenböcke« gibt: Mal sind es die Türken, die Schwarzen, die Schwulen, dann sind es die »Bullen«, die Hartz IV-Empfänger. Und nicht nur die! Ich denke an Journalisten, die eingeschüchtert werden sollen. Ich denke an eine offizielle Anfrage der Rechten, vor längerer Zeit an den Rat unserer Stadt gerichtet, wie viele Juden in Dortmund wohnten und wo. Spüren Sie die Provokation? Ich denke an Bürgermeister, die aus Angst um ihre Familie ihr Amt aufgeben. An Politiker, die Morddrohungen bekommen, die auf Todeslisten stehen, wie in diesen Tagen Claudia Roth oder Cem Özdemir, der eine E-Mail erhielt, in der steht: »Zur Zeit sind wir am Planen, wie und wann wir Sie hinrichten. Vielleicht bei der nächsten öffentlichen Kundgebung.« Ich denke an den Hass aus tausend Kehlen, an Runenschriftzüge der Nazis, die erneut auf Bomberjacken und Plakaten erscheinen. Ich denke daran, dass »Du Jude!« auf Schulhöfen wieder ein Schimpfwort geworden ist. Von irgendwoher müssen die Kinder das ja haben.
Noch deutlicher: Wenn ein Politiker aus der Führungsriege der AfD den Holocaust einen »Vogelschiss der Geschichte« nennt oder ein anderer das Berliner Denkmal für die ermordeten Juden ein Denkmal der Schande«, dann fragt man sich: Heißt das »Nie wieder!« damals 1945, als Deutschland in Schutt und Asche lag? Mit Scham und Reue gesprochen: Heißt dieses »Nie wieder!« noch nie wieder? All die vielen, die jüngst wieder, aus welchem Grund auch immer, die AfD gewählt haben, die man deswegen auch nicht alle automatisch als Rechtsradikale bezeichnen kann – das ist mir wichtig zu sagen –, die müssten aber dennoch wissen, dass sie mit ihrer Stimme auch Politikern Macht geben, die in unserem Land nichts als Angst, Hass und Hetze verbreiten.
Jom Kippur, das Fest der Versöhnung, das höchste Fest der Juden. 51 Menschen sind in der Synagoge von Halle. Hätte die Holztür nicht gehalten, es hätte ein unbeschreibliches Massaker gegeben! Es ist nicht übertrieben, von einer neuen Qualität rechtsradikaler Gewalt zu sprechen, von einer neuen Form des Terrorismus, begangen von vermeintlich »einsamen Wölfen«. In Wahrheit aber bilden diese Wölfe ein wachsendes, weltweit vernetztes Rudel. Einer dieser Wölfe macht sich selbstständig und erschießt den Kasseler Regierungspräsidenten Dr. Walter Lübcke auf dem Balkon seines Hauses. Das Alarmierende ist: So etwas hat einen Nährboden, bereitet sich unter der Decke vor nach dem Motto: »Nun übertreibt mal nicht! Das wird man ja wohl noch sagen dürfen.« Es reicht ein Blick auf die Mitte unserer Gesellschaft: Im Fernsehen konnte man erfahren, 40 Prozent der Deutschen seien der Meinung, man rede zu viel über den Holocaust.
In Freiburg ging Mitte Juli 2019 ein 61-jähriger Mann auf die Vorsitzende der jüdischen Gemeinde los und rief: »Sind wir hier in Deutschland oder im Judenland?« Und: »Mich wundert nicht, dass Hitler euch vergast hat, ihr Idioten!« In Hemmingen bei Hannover fand im Mai 2019 ein altes jüdisches Ehepaar morgens einen Brandsatz auf der Fußmatte und in roter Farbe auf der Haustür das Wort »Jude!«. In Bamberg stand monatelang auf einer Brückenmauer: »Kauft nicht bei den Juden!« Die Grenze des Sagbaren hat sich verschoben. Aus Gedanken werden Worte, aus Worten werden Taten. »Der Weg von der Verharmlosung über die Gutheißung bis zu Nachahmung [ist] erschreckend kurz.« (Bischof Ulrich Neymeyr) »Hat Deutschland die Lehren der Nazizeit vergessen?« (Kommentar der New Yorker Times).
Dabei leben wir doch, bei allem, was es immer wieder zu verbessern gilt, in der freiesten Republik, die wir jemals hatten. Es ist ein freundliches, sicheres, tolerantes Land, für die meisten Migranten geradezu ein »Sehnsuchtsland«, wenngleich sie damit vielleicht auch falsche Vorstellungen verbinden mögen. Deutschland hat nach dem Krieg systematisch versucht, seine unselige Vergangenheit aufzuarbeiten. Das wurde auch vom Ausland mit Respekt und Anerkennung honoriert. Heute tragen wir Verantwortung. Frieden und Freiheit müssen immer neu verteidigt werden.
Liebe Gemeinde, ich weiß, manche sagen auch: »Solche Themen gehören nicht in den Gottesdienst. Die Kirche soll sich raushalten aus der Politik. Spielt euch nicht zu Moralaposteln auf. In der Kirche geht es um Gott und nicht um Politik.  Erzählt lieber von eurem Glauben.«
In Ordnung, dann sage ich, was ich glaube: In meinem Glauben ist Gott ein Gott der unbedingten Liebe zu allem, was lebendig ist. In meinem Glauben zählt das Gebot der Nächstenliebe: »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst!« In meinem Glauben beziehe ich mich auf Jesus, der als Jude aufgewachsen ist, als Jude gelebt und als Jude geglaubt hat, der sich als Teil des großen Bundes verstanden hat, den Gott mit den Israeliten geschlossen hat, der bis heute gilt. In meinem Glauben gilt, dass jeder Mensch – schwarz oder weiß, arm oder reich – eine unantastbare Würde hat. In unserem Grundgesetz steht nicht: Die Würde der Deutschen ist unantastbar, sondern die Würde des Menschen ist unantastbar, eines jeden Menschen! Generell und immer! In meinem Glauben weiß ich, dass ich mich auch irren kann, ich weiß, dass auch die Kirche seit dem Mittelalter immer wieder an den Juden schuldig geworden ist. Aber mein Orientierungspunkt bleibt dieser Glaube an den Gott der Liebe.
Wenn ich also von Gott erzählen soll, dann kann ich die Welt nicht auslassen. Der Glaube gehört einerseits zum Persönlichsten des Menschen, aber er hört nie im Privaten auf. Und umgekehrt: Wenn ich politisch denke und rede, hat das auch mit meinem Glauben zu tun. Das Evangelium hat immer auch eine politische Dimension. Wir müssen als Kirche nicht Politik betreiben im üblichen Sinn. Aber wir müssen sagen, woher wir unsere Maßstäbe beziehen, woran wir glauben und was für uns gilt. November 2019. Es gibt Situationen, in denen man nicht schweigen darf. In denen man reden muss! In der dunkelsten Stunde der Geschichte unseres Landes, als die braunen Machthaber ihren Traum von der germanischen »Edelrasse« und vom »völkischen Herrenmenschen « träumten, als blonde Haare und braune Uniformen etwas galten, da stieg in Münster Kardinal von Galen auf die Kanzel der Lambertikirche, und was er sagte, drang bis ins Führerhauptquartier: »Es ist dir nicht erlaubt! 5. Gebot: Du sollst nicht töten!« Glaube und Politik? Anders als damals kann es auch gut ausgehen: Bevor die Mauer fiel, versammelten sich Christen und Nichtchristen in den Kirchen der DDR zu Friedensgebeten, dann zogen sie unter Lebensgefahr auf die Straße. Mit der einen Hand hielten sie eine Kerze, mit der anderen Hand schützten sie das Licht, so blieb keine Hand mehr frei für Gewalt. »Wir sind das Volk!« – Gebet und Protest. Und das Wunder geschah: Die Mauer fiel! >>

                                      Predigt: Werenfried Wessel, ofm in Franziskaner Mission 1-2020 S. 28f

Ein kleines Wunder

Vielleicht begegnet dir

gerade heute

eine unverhoffte Freude,

ein erfrischendes Lachen,

ein beflügelndes Wort.

Vielleicht entdeckst du

gerade heute

die Kostbarkeit eines Augenblicks

und machst ihn dadurch zu einem

Glücksmoment nur für dich.

Vielleicht erlebst du 

gerade heute

ein kleines Wunder,

das dein Leben

strahlend und besonders werden lässt.

                                              Marion Schmickler-Weber

Der Geist, der in die Weite treibt - Pfingstpredigt von Bischof Bode

Bischof Franz-Josef Bode hat angesichts der Coronakrise die Menschen zur Solidarität aufgerufen. „Diese Krise, die von einer Akutphase in eine eher chronische Phase übergeht, deren Kollateralschäden an Leib und Seele des Menschen noch gar nicht absehbar sind, diese Krise darf nicht vorübergehen, ohne dass wir nachdenklicher, dass wir bewusster, dass wir solidarischer, dass wir mit weiterem Horizont und mit tieferen Einsichten leben“, sagte Bode in seiner Pfingstpredigt am Sonntag, 31. Mai, in einem öffentlichen Gottesdienst im Osnabrücker Dom. Hier finden Sie die gesamte Predigt:

„Brausen, Sturm, Feuer, direkte Verständigung. – Wie sehr, liebe Schwestern und Brüder, wünschten wir uns an diesem besonderen Pfingsten ohne große Festlichkeit und mit der gestern verschobenen Priesterweihe, wie sehr wünschten wir uns einen solchen Sturm, der das Virus hinwegfegte! Wie sehr wünschten wir uns eine solches Feuer, das alle Hindernisse und Barrieren verbrennte und überwände, und wie sehr eine solche direkte Kommunikation face to face in körperlicher Nähe und Wärme!
Wie sehr wünschten wir uns, dass der ganze Spuk bei uns und weltweit bald vorbei wäre und alles wieder seinen gewohnten Gang gehen könnte.
Vielleicht haben die Jünger damals nach der Katastrophe des Sterbens Christi, in der Ungewissheit seines neuen Lebens und nach seiner Rückkehr aus der irdischen Sichtbarkeit zum Vater sich heimlich ebenso gewünscht, es solle alles so sein wie früher. Hauptsache sie hätten wieder ihr normales Leben und ihren Frieden.
Aber damals wie heute ist eine Rückkehr in ein Weiter-so-wie-Vorher oder ein Zurück-ins-Vorher nicht möglich: bei uns durch die sich nun in eine bedrängende Länge ziehenden Abstands- und Hygieneregeln, an Pfingsten durch die völlig neue und verändernde Kraft eines Geistes, dessen Zeichen Sturm, Feuer und neue Gemeinschaft sind und nicht rückwärtsgewandtes Beharren und die Lauheit und Grauheit einer dahindämmernden Alltäglichkeit und Gewohnheit; und auch nicht die Abgrenzung von Menschen aus persönlichen oder nationalen Egoismen.
So sehr unser heutiges Pfingsten nicht einfach die Situation der derzeitigen Infektionsgefahr verändert, so sehr aber will es uns zeigen: Es gibt ein danach, aber kein einfaches weiter so, wieder so oder zurück. Dieser Geist will nicht so sehr eine Situation verändern, sondern unsere Herzen, unsere Beziehung zu diesem Geschehen und vor allem unsere Beziehung zu Christus, zu Gott.
Diese Krise, die von einer Akutphase in eine eher chronische Phase übergeht, deren Kollateralschäden an Leib und Seele des Menschen noch gar nicht absehbar sind, diese Krise darf nicht vorübergehen, ohne dass wir nachdenklicher, dass wir bewusster, dass wir solidarischer, dass wir mit weiterem Horizont und mit tieferen Einsichten leben.
Der Pfingstgeist ist der Geist, der in die Weite treibt, der einen Blick für die Weltweite und für das Ganze des Glaubens und des Lebens eröffnet. Er ist der Geist, der uns herausreißt aus dem Kreisen um uns selbst und uns dem Wort Gottes und den Nöten der Menschen öffnet. Er ist der Geist, der unser Herz aus Stein zu einem Herzen aus Fleisch wandelt, so dass wir gerade in und nach dieser Krisenzeit aufmerksamer und wacher werden und bereiter zum Teilen.
Der Pfingstgeist verhindert, dass wir im Glauben, in der Kirche, aber auch in der Gesellschaft und der Welt gerade mit den derzeitigen Erfahrungen einfach in eine alte Normalität zurückfallen. Er will neue Wege gehen, besonders auch in der Kirche:
• Zum Beispiel in der Wertschätzung der persönlichen Frömmigkeit und Spiritualität, die auch dann trägt, wenn äußere Stützen wegfallen.
• Zum Beispiel in der Wertschätzung des Wortes Gottes als Nahrung und eiserne Ration für unser Glaubensleben.
• Oder in der Wertschätzung der sakramentalen Zeichen und Gesten, die uns zur Zeit so erschwert werden.
• Oder in der Wertschätzung all der Dienste an Menschen, die sich in dieser Zeit als so wichtig erwiesen haben.
• Und nicht zuletzt auch in der wirklichen Wahrnehmung der Kreativität, des Freimutes, des neuen Miteinanders, die sich jetzt zeigen.
Paulus macht ja auf die sehr verschiedenen Gaben aufmerksam, die der Geist uns schenkt. Vielleicht haben wir in den vergangenen Wochen so einige neu entdeckt, auch über die sozialen Medien und die digitalen Wege zueinander.
Die gemeinsame Betroffenheit aller – in Welt, Gesellschaft und Kirche – sollte uns nicht wieder auseinanderdriften lassen in dann noch tiefere Gräben und Spaltungen als vorher. Dazu aber braucht es die Kraft dieses Pfingstgeistes, der uns in aller Buntheit und Verschiedenheit zusammenhält in der Kirche, in der Menschheit, in der ganzen Schöpfung.Der vom Geist Christi beseelte Leib Christi in der Gemeinschaft aller Getauften, Gefirmten, Beauftragten, Gesendeten und Geweihten ist der wirksame Antikörper gegen das zersetzende Virus der sozialen Klimavergiftung und aller ungeistigen Kräfte, die sich mit dem Corona-Virus ebenso verbreiten, von neuem Radikalismus über Verschwörungstheorien bis hin zu einem wieder aufstrebenden Antisemitismus.Und selbst wenn nicht alles so spektakulär und sensationell ist wie am ersten Pfingsttag in Jerusalem: das heutige Evangelium vom Osterabend zeigt uns eine Geistsendung im kleinen Kreis durch die Freude über den lebendigen Jesus, der Frieden zuspricht, uns seinen Lebensatem schenkt und uns zur Vergebung von Schuld und zur Aufrichtung der Menschen sendet.
In dieser kleineren, verborgeneren Form geschieht auch zukünftig Pfingsten – vielleicht sogar einmal mehr als in der großen und öffentlichen. Aber immer hat Geistsendung, in welcher Form auch immer, damit zu tun, nicht einfach wieder zurückzukehren ins Alte, sondern neu zu werden, offener, weiter und vor allen Dingen tiefer – für ein Leben nach vorn und nach oben. Zu einem Leben, das in der rechten Balance von Altem und Neuem, von Weite und Tiefe, von Reden und Schweigen, von Vielheit und Einheit, von Tradition und Innovation, von Einzelnem und Gemeinschaft, von Personalität und Solidarität seinen Weg durch diese Zeit sucht und findet in der Gewissheit eines Geistes, der uns auf zweifache Weise erfüllt, wie es Andreas Knapp in einem neuen Gedicht beschreibt:

doppeltes pfingstwunder

der heilige geist
kam auf sie herab

füllte ihren mund
und sie begannen zu reden

erfüllte ihr herz
und sie begannen zu schweigen
A. Knapp, ganz knapp. Gedichte an der Schwelle zu Gott, Würzburg 2020, S. 101

Heiliger Geist, komm und erfülle unseren Mund zum Reden und unser Herz zum Schweigen, damit sich das Antlitz der Erde erneuere – heute und in alle Zukunft. Amen.“

Variationen des Geistes

Geist der Umsicht, der nicht nur den Augenblick kennt,
sondern mit dem Vergangenen vertraut ist und das Zukünftige im Blick hat
Geist der Klarheit, der zwischen Wesentlichem und Unwesentlichem zu unterscheiden vermag
Geist der Demut, der weiß, dass er vom göttlichen Geist umfangen ist
Geist der Fairness, der den Schwächeren nicht ihre Lebenschancen nimmt
Geist des rechten Maßes, der die Ansprüche nicht über das Ziel hinausschießen lässt
Geist des Mitseins, der dem Leben des anderen zuträglich ist
Geist der Freude, der nach der Freude Ausschau hält, aus ihr lebt und sie verbreitet
Geist der Stärke, der den Mut in schwierigen Lebenslagen nicht verlieren lässt

                                                                                      Norbert Mothes, In: Pfarrbriefservice.de

Gottesdienste mit Corona - wie Andrea Schwarz es sieht

Ab nächster Woche dürfen wir also allmählich wieder … in Kirchen gemeinsam öffentlich Gottesdienste feiern … aber natürlich nur unter „Corona-Bedingungen“. Und da komme ich jetzt schon ins Nachdenken.
Desinfektionsmittel scheinen sehr wichtig zu sein … hoffentlich desinfizieren wir da aus Versehen nicht gleich unseren Glauben mit. Und ausreichend Abstand – Platzanweiser und eventuell telefonische Anmeldung zu Gottesdiensten? Naja, immerhin kommen dann endlich mal die vorderen, notorisch leeren Kirchenbänke zum Einsatz – vielleicht findet ja sogar der eine oder die andere Gefallen an den Plätzen in der 2. Reihe? „Einbahnstraßenregelung“ beim Kommuniongang – und noch nicht mal ein „Amen“, weil der Priester kein „Der Leib Christi“ sagen soll. Kein netter Plausch nach dem Gottesdienst auf dem Kirchenvorplatz, kein Friedensgruß, ach – und man muss dran denken, das eigene Gotteslob mitzubringen.
Das Bundesverfassungsgericht hat erklärt, dass Gottesdienste eher wie Konzerte und Sportveranstaltungen zu bewerten sind. Hm. Bei dieser Form würde das irgendwie stimmen – da sind wir Zuschauer dessen, was da „vorne“ passiert. Ein solches Verständnis aber hatten wir vor fünfzig Jahren, als wir noch von „Gottesdienst-“ und „Kirchenbesuchern“ sprachen. Heute gehen wir eigentlich eher von „Mitfeiernden“ und „Teilnehmer*innen“ aus. Aber klar, wenn empfohlen wird, dass man nicht singen soll, weil das eine erhöhte Gefahr der Virenübertragung mit sich bringt, dann muss man eben spielen lassen. Eucharistiefeiern mit 1,5 m Abstand, ohne Gesang, mit desinfizierten Händen – okay.
Ich weiß nicht, aber irgendwie haben solche Gottesdienste nicht allzu viel mit dem zu tun, was ich mir darunter vorstelle.
Gut, es wird Wochen, wenn nicht sogar Monate dauern, bis wir wieder Gottesdienste wie „Vor-Corona“ feiern können. Wahrscheinlich braucht es irgendwelche Zwischenlösungen.
Aber warum eigentlich nicht auch eine halbe Stunde „stille Anbetung mit Aussetzung“ in der Kirche? Warum nicht zwanzig Biertischbänke (zwei Teilnehmer pro Bank oder eine Familie) auf die Wiese neben der Kirche stellen – und eine Wort-Gottes-Feier im Freien halten?
Wir waren auf einem guten kreativen Weg, die „Kirche“ und den Glauben wieder zu uns nach Hause zu holen. Da verabredet sich eine Gruppe, gemeinsam im Internet den Gottesdienst mit dem Bischof zu feiern – und sich anschließend per Skype darüber auszutauschen. Da werden brennende Kerzen ins Fenster gestellt und ein Vaterunser gebetet. Familien feiern Gottesdienste zuhause – und kommen neu über den Glauben ins Gespräch. Der Kinderchor singt ein Lied, in zwanzig verschiedenen Wohnzimmern aufgenommen und zusammen geschnitten. Der Diakon liest einen Impuls aus seinem Arbeitszimmer. Da werden liebevoll vorbereitete Andachten per „live-stream“ übertragen – und fast jede Pfarreiengemeinschaft hat irgendwelche Seiten geschaltet mit Texten und Gebetsanregungen. Selten waren wir so kreativ und erfinderisch wie in den letzten Wochen.
Vielleicht das eine tun und das andere nicht lassen: Mit Eucharistiefeiern unter diesen Bedingungen vorsichtig und behutsam Erfahrungen sammeln – und kreativ an anderen Formen, die schon entstanden sind, weiterspinnen.
Und wie wäre es denn, wenn man diese langsame und vorsichtige Phase der „Öffnung“ mit einer Andacht zur Heiligen Corona am 14. Mai beginnen würde? Das ist nämlich ihr Gedenktag. Und sie ist tatsächlich nicht nur die Patronin gegen Seuchen, sondern auch für Geldangelegenheiten – und da werden wir wohl in den nächsten Monaten und Jahren auch dringend eine Fürsprecherin brauchen.
Übrigens, in Anlehnung an einen Text, der seit Wochen in den verschiedensten Variationen im Netz kursiert: Spargel ist auch nicht abgesagt (zum Glück scheinen sich doch noch Menschen zum Spargelstechen gefunden zu haben!).
Definitiv abgesagt aber ist das Lied: „Einer hat uns angesteckt …“ – wahrscheinlich für die nächsten zehn Jahre …!

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.