Lesungen          Gottesdienste

Renovabis 2022

An Pfingsten findet wieder die Aktion Renovabis statt, die Solidaritätskampagne mit Osteuropa. In diesem Jahr ist es besonders wichtig. Die Deutschen Bischöfe haben dazu folgenden Aufruf verfasst:

"Liebe Schwestern und Brüder, selten stand Osteuropa in unserem Land so im Mittelpunkt des Interesses wie in diesen Wochen und Monaten des Krieges in der Ukraine. Viele fühlen sich innerlich bedrängt von den Nachrichten über den russischen Überfall auf den Nachbarn, über Kämpfe und Gräueltaten. Nicht wenige sorgen sich auch um Frieden und Sicherheit in ganz Europa. Was kann uns und was kann vor allem den vom Krieg geschundenen Menschen in dieser Lage Orientierung und Hoffnung geben? Das Motto der diesjährigen Pfingstaktion unseres Osteuropa-Hilfswerks Renovabis gibt darauf eine Antwort: „Dem glaub‘ ich gern!“ Denn auch in den schwierigsten Zeiten unseres persönlichen Lebens und im Leben der Völker verhindert der Glaube an Jesus Christus den Absturz in die Verzweiflung. Gott hält uns fest. Er gibt uns Mut und Kraft, das Richtige zu tun. Und er verheißt den Menschen eine Zukunft über den Tod hinaus. In diesem Geist dürfen wir Pfingsten feiern und uns zugleich den schwierigen Aufgaben unserer Zeit stellen. Seit vielen Jahren unterstützt Renovabis eine große Zahl von pastoralen und sozialen Projekten in der Ukraine. Diese Arbeit ist heute wichtiger denn je! Nothilfe und die Begleitung von Flüchtlingen sind das Gebot der Stunde. Aber in der Ukraine und in ganz Osteuropa muss es der Kirche auch darum gehen, die Botschaft der Hoffnung zu verkünden und den Menschen angesichts aller Dunkelheiten das Licht zu zeigen, das nur der Glaube uns sehen lässt. Wir Bischöfe bitten Sie herzlich: Unterstützen Sie die Menschen im Osten Europas durch Ihr Interesse, Ihr Gebet und Ihre großzügige Spende bei der Kollekte am Pfingstsonntag. Der Ukraine-Krieg ist immer noch nicht vorbei! Beten wir auch weiterhin für die vielen Opfer des Krieges, besonders auch für alle, die nach der Flucht bei uns Trost und Hilfe suchen – und diese auch vielfältig finden!!

Änderungen im Dekanatskalender

Planungen sind immer nötig- aber dann gibt es doch immer wieder aus verschiedenen Gründen Änderungen. Das gilt auch für die Dekanatkonferenzen:  Die Konferenz zum Thema "Assistierter Suizid?" am 1. Juni findet nicht in Emden, sondern in Westrhauderfehn statt. Und die Dekanatsklausur im Priesterseminar in OS, geplant für den November, verschiebt sich in den Dezember. Da das Priesterseminar umgebaut wird und dann nur noch wenige Zimmer hat, ist die Ära der Osnabrücker Tage leider vorbei - für immer. Die zweitägige Konferenz mit WB Wübbe soll stattdessen in Leer stattfinden. Bis auf die InsulanerInnen können dann alle abends wieder nach Hause fahren und am nächsten Tag wiederkommen. Genauereres aber erst im Herbst.

 

Katholikenrat: Niemand soll zur Selbsttötung gedrängt werden können

Gremium äußert sich zur Frage um gesetzliche Neuregelung des assistierten Suizids

Der Katholikenrat im Bistum Osnabrück fordert bei der Neufassung des Gesetzes zum assistierten Suizid festzuschreiben, dass niemand zur Selbsttötung gedrängt wird. Menschen, die in Altenpflege- und Hospizeinrichtungen leben, sollten sicher sein können, in dieser Frage nicht unter Druck gesetzt zu werden. Für sie müsse es möglich sein, „die geschäftsmäßige Suizidbeihilfe im Sinne des ‚Wunsch- und Wahlrechts‘ von Dienstleistungsnutzer*innen abzulehnen“, heißt es in dem auf der Frühjahrsvollversammlung verabschiedeten Text.
Ebenso spricht sich die Vertretung von Katholik*innen aus Räten und Verbänden im Bistum dafür aus, dass Angebote für Palliativversorgung und die Hospizarbeit öffentlich bekannter gemacht und weiter ausgebaut werden. „Ziel muss es sein, Lebensqualität auch in der letzten Phase zu ermöglichen“, so der Katholikenrat. Gleichzeitig sei einem Menschen, der durch Selbsttötung aus dem Leben scheiden möchte, seelsorgliche Begleitung zu ermöglichen. Wie weit diese gehe, hänge ab von der Gewissensentscheidung der*des Seelsorger*in.
Das Bundesverfassungsgericht hatte im Februar 2020 das bisherige Verbot der geschäftsmäßigen Förderung der Sterbehilfe für verfassungswidrig erklärt. Deshalb steht jetzt eine gesetzliche Neuregelung zum selbstbestimmten Sterben an. Den Abgeordneten im Bundestag liegen dazu mehrere Vorschläge vor.
Ausdrücklich begrüßte Katharina Abeln, die Vorsitzende des Katholikenrates, die Stellungnahme der katholischen Bischöfe und leitenden evangelischen Geistlichen aus Niedersachsen und Bremen zur Suizidbeihilfe, die vor wenigen Tagen erschien.
Die Mitglieder des Katholikenrats berieten auf der Frühjahrsvollversammlung außerdem den von Papst Franziskus ausgerufenen weltweiten Synodalen Weg und informierten sich über die Hintergründe des Krieges in der Ukraine und die Folgen auch für die Hilfsprojekte von Bistum Osnabrück und Caritas-Diözesanverband in Russland.

Gremienwahlen im November 2022

Am 6. November werden im Bistum Osnabrück unter dem Leitwort „Deine Stimme – gerade jetzt!“die Mitglieder für die Kirchenvorstände und Pfarrgemeinderäte neu gewählt.In seiner Silvesterpredigt ging Bischof Bode auch auf die Wahlen ein. Bei allen aktuellen Krisen treffe er immer wieder auf Menschen, die ihm versicherten: „Gerade jetzt! Gerade jetzt bleibe ich und bringe meine Begabungen ein, um Kirche vor Ort, an vielen neuen Orten und in vielen Netzwerken mit zu gestalten“, so der Bischof. Es gehe „um eine Haltung der Gelassenheit und Hoffnung, eine Haltung der nüchternen Leidenschaft für den Gott, der uns so viel zumutet, aber auch viel zutraut.“. So formuliert er auch jetzt in einem kurzen Video:

https://youtu.be/Zqk5pz-8rK0

Ermutigung

Du fragst:
Was soll’s, dass wir beten?
Wir können doch nichts bewegen,
nicht aufhalten Rakete und Panzer.
Aber wir können was tun –
und das ist:
festhalten an unseren Träumen.                        

Du fragst,
was nützt’s, dass wir beten?
Wir können doch nichts bewegen.
„Die da oben lassen sich
von uns nicht reinreden!“
Aber wir können was tun –
und das ist:
sagen, was uns nicht passt.

Du fragst:
was bringt’s, dass wir beten?
Wir können doch nichts bewegen:
auch wenn wir dagegen sind –
Krieg kommt.
Aber wir können was tun –
und das ist:
gemeinsam beten,
und die Stimme erheben. 

(Lutz Friedrichs) in Newletter Deutsches Liturgisches Institut Trier

Langsam, aber: es bewegt sich etwas!

Der nächste Schritt auf dem synodalen Weg ist gemacht worden. Katharina Abeln, Vorsitzende des Katholikenrats Osnabrück hat dazu ihre persönlichen Eindrücke mitgeteilt:

"Am vergangenen Wochenende (21.-23.2.) fand die 3. Synodalversammlung in Frankfurt statt. Eine entscheidende Versammlung, die die Mitte der Sitzungsanzahl markierte und damit richtungsweisend für den weiteren Verlauf war.
Eine Synodalversammlung, die ganz unter den Eindrücken der Missbrauchs-aufarbeitung in München-Freising stand, aber auch unter der mutigen und beeindruckenden Initiative von #out in church.
Eine Synodalversammlung, die deutlich machte: Wir brauchen entscheidende Voten, die mehr als beschriebenes Papier sind, und jetzt unsere Kirche voranbringen!
Jedes Themenforum hat sich in den letzten Monaten erneut mit der Er- und Überarbeitung von Grund- und Handlungstexten befasst. Grundtexte, die auf dem ersten Blick von Theolog*innen für Theolog*innen geschrieben wurden - aber gerade dadurch eine hohe Bedeutung in der Diskussion mit Rom erhalten - und Handlungstexte, die die Veränderungen in den Bistümern konkretisieren können. 14 Texte standen bei dieser Synodalversammlung zur 1. oder 2. Lesung bereit. Texte, die in den Wochen davor von allen Synodalen ausführlich bearbeitet wurden und in der Vollversammlung z.T. abschließend beraten und diskutiert wurden. Wichtige Punkte wurden mit der positiven Verabschiedung der Grundtexte: Macht und Gewaltenteilung und Frauen in Diensten und Ämtern erreicht. Aber auch durch Handlungstexte aus dem Forum Leben in gelingenden Beziehungen sind neue Beratungen eröffnet. Alle Texte finden sich auf der Homepage: www.synodalerweg.de
Neben der thematischen Relevanz lässt sich die Synodalversammlung für mich mit drei Stichwörtern umschreiben:
- wertschätzende und intensive Aussprache
Ja, es braucht auch (oder gerade!) in einem kirchlichen Rahmen die Erinnerung an gute Kommunikationsregeln. Und so war der zuvor verteilte Leitfaden eine wertvolle Unterstützung. Es darf und muss gelegentlich sogar gestritten werden, dies aber in einer wertschätzenden Art und Weise.
- ehrliches und konstruktives Miteinander
Zur Sprache bringen, was bewegt! Und so sind es vor allem die persönlichen Erfahrungen und Zeugnisse, die die verschiedenen Themen und Inhalte mit Leben füllen.
- mit und aus dem Evangelium heraus beraten und handeln
Durch meditative Unterbrechungen und der diesmal wirklich gemeinsamen Feier des Gottesdienstes wird innerlich und äußerlich sichtbar, dass wir im Vertrauen auf den Heiligen Geist miteinander ringen und Entscheidungen treffen dürfen.
Mein persönliches Fazit: Mit dieser Vollversammlung wurden wichtige
„Wegweiser“ gesetzt. Ich gehe hoffnungsvoll den Synodalen Weg weiter, der sicherlich noch lang ist, nicht alle Erwartungen erfüllen wird, manche Steine und Felsbrocken hervorbringt, ABER für mich ein Weg ist, der Kirche in die Zukunft bringen kann!

Bätzing: "Wir verändern das konkrete Handeln der Kirche"
Erfolg an historischem Punkt: Synodaler Weg zieht positives Fazit

Die dritte Synodalversammlung in Frankfurt ist mit breiter Zustimmung für alle 14 Textvorlagen zu Ende gegangen. Für viele Synodale war das ein unerwartet großer Erfolg – auf dem sie sich aber nicht ausruhen wollen.
Zahlreiche Vertreterinnen und Vertreter der Synodalversammlung haben nach der dritten Synodalversammlung in Frankfurt am Main am Wochenende ein positives Fazit gezogen. "Das war ein unterwartet großer Erfolg", resümierte Bischof Gebhard Fürst in einem Interview auf der Internetseite seiner Diözese Rottenburg Stuttgart (Samstag). "Bei den Texten in erster Lesung waren sehr viele kontroverse Positionen zu spüren, und die gilt es jetzt für die zweite Lesung so zusammenzuführen, dass wir Mehrheiten erreichen und die Texte verabschiedet werden können." Hier müsse noch viel "Überzeugungsarbeit" in den Foren und in der Bischofskonferenz geleistet werden. "Es liegen noch große Anstrengung vor uns und wir werden noch sehr viel Mut und Hoffnung investieren müssen."

Der Münsteraner Bischof Felix Genn wertete es ebenso als positiv, "dass es eine breite Zustimmung zu allen 14 Vorlagen gab". Die Zustimmung zeige ihm, dass es besonders bei den Themen Macht und Gewaltenteilung "einen großen Willen der Synodalen für Veränderungen in der katholischen Kirche" gebe. Gleichzeitig räumte Genn laut Pressemitteilung seines Bistums (Samstag) ein: "In manchen Fragen, die noch in zweiter Lesung beraten werden müssen, liegt noch viel Sprengstoff, weil hier fundamentale Fragen unseres Glaubens und der kirchlichen Lehre angesprochen werden." Er sei zuversichtlich, dass "wir auch mit der Weltkirche zusammenbleiben", so Genn. "Wir lernen gerade Synode und Synodalität. Das meint keine totale Harmonie."
Die Vorsitzende der Deutschen Ordensobernkonferenz (DOK), Schwester Katharina Kluitmann, betonte die große Übereinstimmung der Vertreterinnen und Vertreter des Synodalen Wegs. "Die Einigkeit war insgesamt überwältigend – und der Wille, etwas zu bewegen!", sagte sie laut der Pressemitteilung des Bistums. Solche Zustimmungszahlen hätte sie nicht erwartet. Eine "Uneinigkeit" zwischen dem Vatikan und den synodalen Texten sei aus ihrer Sicht zwar denkbar, aber: "Auch die Kirche in Deutschland muss ihrem Gewissen folgen."
Der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick twitterte am Sonntag: "Zurück von Frankfurt, Synodaler Weg ist Diskussion und freundliche Begegnungen, Ziel eine geschwisterliche Kirche, die dann die Menschenfreundlichkeit Gottes verkünden kann." Gleichzeitig teilte er ein Foto von sich und sieben weiteren Delegierten der Synodalversammlung, darunter auch drei junge Frauen. " Den jungen Synodalinnen vielen Dank für die anregende herzliche Tischgemeinschaft. Ich hab viel gelernt", schrieb er dazu.

Weiterlesen: synodaler Weg 3

Himmelklar – Der katholische Podcast

Religionssoziologe Detlef Pollack: "Wirkliche Umkehr ist vonnöten"

Detlef Pollack ist einer der renommiertesten Religionssoziologen Deutschlands und lehrt in Münster. Er sieht die Kirche in einer tiefen Krise, da die Menschen ihr nicht mehr das entgegenbringen, was für eine Glaubensgemeinschaft am wichtigsten ist: Vertrauen. In "Himmelklar – Der katholische Podcast"denkt er darüber nach, was jetzt ncoh gehen kann. Den Beitrag könenn Sie lesen auf https://www.katholisch.de/artikel/32957-religionssoziologe-ueber-kirche-wirkliche-umkehr-ist-vonnoeten

Das, was zurzeit in der Kirche geschieht an Coming-out, an erschütternden Fakten über den jahrzehntelangen Missbrauch und die Vertuschung, treibt viele Menschen um und auch aus der Kirche heraus. Kathrin Teerling de Vries aus Borkum ist für unser Dekanat neben Brigitte Gerdes aus Remels Mitglied im Katholikenrat des Bistums. SIe hat nun einen Wutbrief formuliert, der Öffentlichkeit will und nachfolgend hier dokumentiert wird:

WUT, aber warum ich immer noch katholisch bin und es vermutlich auch bleibe werde

Zunächst einmal: Mich erfüllt das letzte Gutachten mit Wut, Entsetzen, Angewidert-Sein und Verachtung. Auch diesmal, schon wieder. Und vor allem: Gefühl für die Opfer. Mitfühlen kann ich es nicht. Denn mir ist es nie passiert. Ich kann nicht nachempfinden. Aber ich glaube, die schrecklichen Gefühle ahnen zu können.
Ich verurteile die Täter aufs Schärfste. Denn wer christliche Nächstenliebe - und dieses Wort schmeckt in diesem Zusammenhang voll bitteren Sarkasmus‘ - predigt, ja (vor)leben soll, sollte sich bei dem kleinsten Aufflackern solcher üblen Gelüste Hilfe holen. Es muss einem doch klar sein, dass dieses Verlangen auf Kinder und Schutzbefohlenen in keinem Kontext harmlos sein kann.Wut. Unendliche Wut. Ich glaube, wie bei vielen Schwestern und Brüdern. Was glauben die, wer sie sind? Was ist, verdammt noch mal - und ich meine es wörtlich, - falsch gelaufen in der Priester-Ausbildung? Diese Frage stelle ich allen an der Ausbildung Beteiligten. Und ich hoffe, dass sich die Beteiligten auch stellen. Vielleicht könnte mal jemand selbstkritisch antworten?
Aber zurück zur Überschrift.
Ich bin nicht einfach katholisch und das war’s. Ich möchte unterscheiden, nein, ich unterscheide. Ich bitte Kritiker-, Skeptikerinnen darum nach der nächsten Aussage nicht aufzuhören zu lesen, sondern mir die Chance zu geben, zu erklären, was ich meine.Katholisch, das sind für mich mehrere Facetten. Natürlich ist das, böse gesagt, für die meisten der Weltkonzern, der unter dem Deckmäntelchen der Nachfolge Jesu Christi allerhand befremdliches Verhalten auf ihn zurückführt *
Aber das ist es eben nicht nur. Katholisch zu sein, ist für mich auch die Spiritualität. Wie ich Gott begegne. Die Art von Gottesdienst, die ich brauche, um Nahrung für meine Seele zu bekommen. Katholisch sein ist für mich die große Gemeinschaft, in der ich lebe und zu Hause sein darf. Weltweit, auf allen meinen Reisen finde ich immer Menschen, die genauso oder sehr ähnlich, wie ich glauben. Mit denen ich im Gebet liebevoll verbunden bin. Millionen, die mich Schwester nennen und die ich Geschwister nennen darf. Wer die Gemeinschaft in der aktiven, ehrlichen Nächstenliebe erfahren durfte, weiß von dieser großen Kraft, die davon ausgeht.
Ja, natürlich kann ich sowohl meine Spiritualität als auch die Gemeinschaft außerhalb des Konzerns katholische Kirche erleben. Aber ich möchte unsere Kirche nicht „denen“ überlassen. Wir sind nicht alle böse. Nicht jeder Geistliche missbraucht, misshandelt, führt unsere Grundidee der Nächstenliebe ad absurdum. Ich sehe die Basisarbeit vor Ort. Die vielen guten Werke, die probieren, das Gesicht, die hässliche Fratze der Erde und des Großkonzerns zu ändern. Mittlerweile immer mehr verzweifelter. Ich sehe zum Beispiel die Arbeit der Caritas hier in Deutschland, die Sozialdienste auf der Straße, im Seelsorgedienst, die Arbeit der vielen Orden, ich sehe die Arbeit des Vater Emanuels in Indien, der versucht, Kinder aus der Kinderarbeit zu holen und Mädchen vor der Zwangsheirat zu bewahren. Ich sehe die Arbeit der Maristen weltweit - und, und, und... Und ich sehe meine Schwestern und Brüder vor Ort, in den Gemeinden, die erfahrbar machen wollen, was Jesu mit dem Himmelreich auf Erden meinte.
Das alles ist katholische Kirche, katholischer als der Vatikan mitunter und vieler seiner Kardinäle. Dieser Gedanke - sie weiterhin zu unterstützen, ihnen wieder eine Basis zu verschaffen in einer authentischen Kirche - treibt mich an, weiterhin zu bleiben. Ich mag mich daran müde arbeiten, das Gesicht und Herz dieser Kirche (wieder) in ein liebevolleres Lächeln zu verwandeln. "Hier stehe ich. Ich kann nicht anders. Amen" Entschuldige, Luther, dass ich Dich in diesen Zusammenhang zitiere. Ich kann nicht anders!

*(Missbrauch - glaubt ihr wirklich, das Jesu das gewollt hat? Nein, natürlich nicht. Aber das Täterwohl über die Opfer stellen? Really? Oder zum Beispiel Anhäufung von Reichtum? Echt jetzt? Und kommt mir nicht mit dem Argument, dass es für die Armen bestimmt ist, da müssen wir doch beide lachen. Der eine herzlich, die andere bitter).

Bischof Franz-Josef Bode äußert sich zur Kampagne #outinchurch

Man kann nur wenige Tage nicht vor Ort sein - da passiert plötzlich unwahrscheinlich viel, das dann den Blätterwald in Aufruhr bringt und zahlreiche Reaktionen hervorruft. So eben auch das Gutachten aus München und die Coming-Out-Dokumentation von Menschen, die in der kath. Kirche arbeiten und eine andere sexuelle Orientierung haben (und leben) als von der kirchlichen Lehre als einzige vorgesehen. Dazu gibt es jetzt eine Stellungnahme unseres Bischofs:


Im Rahmen der Initiative „#OutInChurch“ sowie einer Fernsehdokumentation haben sich 125 Menschen in der katholischen Kirche geoutet. Viele von ihnen sind haupt- oder ehrenamtlich in der Kirche tätig und zugleich Teil der queeren Community; auch mehrere Kolleg*innen aus dem Bistum Osnabrück sind darunter. Die Dokumentation ist über die ARD-Mediathek noch im Internet abrufbar. Bischof Franz-Josef Bode äußert sich in einer ersten Stellungnahme zur Kampagne wie folgt:

„In der Beteiligung an der Kampagne „#outinchurch – für eine Kirche ohne Angst“ sehen wir einen mutigen Schritt von 125 queeren Mitarbeitenden der katholischen Kirche aus dem ganzen Land. Gemeinsam und über Bistumsgrenzen hinweg outen sie sich mit der Botschaft: „Wir sind da und wir sind Teil dieser Kirche.“ Dieser hohe persönliche Einsatz ist sehr zu würdigen. Ich war mit zwei Mitarbeitenden vor Start der Kampagne im Gespräch, ein Zeichen für die vertrauensvolle Atmosphäre in unserem Bistum.

Zugleich mahnen diese Zeugnisse eine längst überfällige Debatte an. Die Loyalität kirchlicher Mitarbeiter*innen wird arbeitsrechtlich eng an die Lebensform gebunden. In der Ausgestaltung sind Einzelfallregelungen möglich, diese werden in unserm Bistum sensibel und nach Kräften gesucht. Aber Einzelfall-Lösungen schaffen immer auch Unsicherheiten. Es ist dringend notwendig, für alle Seiten verlässliche Lösungen zu finden. Daran arbeitet der Reformprozess Synodaler Weg. Diese Fragen werden dort auf systemischer Ebene bearbeitet und in der nächsten Woche bei der 3. Vollversammlung in Frankfurt in die Diskussion gegeben. So soll eine Verbesserung der derzeit mehr als unbefriedigenden Situation aktiv vorangetrieben werden.

Die Grundbotschaft der Kirche ist Gottes vorbehaltlose Liebe für alle Menschen – in ihrer Vielfalt und Einzigartigkeit. Das muss auch für alle Beziehungen gelten, sofern sie von Liebe und gegenseitiger Achtung getragen sind.“

Video: Eine Rundreise von Bischof Bode durch das Bistum Osnabrück

36 Minuten dauert der Videofilm, auf dem Bischof Bode im Sommer des letzten Jahres "sein" Bistum noch einmal im wahrsten Sinnen des Wortes intensiv "erfuhr". Bei Firmungen und Visitationen käme er meistens nur in KIrchen und Pfarr- und Gemeindehäuser, berichtet er- jetzt aber war Gelegenheit, auch die nähere Landschaft rund um die besuchten Orte, ihre Geschichte, ihre Menschen und ihre Besonderheiten wahrzunehmen. Die Vielfältigkeit der Regionen, die Diaspora- und die katholische Mehrheitssituation prägen die Pastoral vor Ort ganz unterschiedlich. Und auch geographisch hat das Bistum alles: Städte und Landsituation, Moore und Meer, Inseln und Küste. Dies alles ist im Video zu sehen und wird von Bode kommentiert. Eine Chance auch für alle, die das Bistum Osnabrück noch nicht so kennen und mehr wissen wollen.Der Film wurde von Dom-Medien erstellt und ist auf der Website des Bistums abrufbar. Link über das Bild oder: www.bistum-osnabrueck.de

Gremienwahlen im November

Der Termin der nächsten Kirchenvorstands- und Pfarrgemeinderatswahlen ist von Bischof Franz-Josef Bode festgelegt worden. Die Wahlen finden am 5. und 6. November 2022 statt. Das Motto der Wahlen lautet: „Deine Stimme - gerade jetzt!“.
Materialien und nähere Informationen folgen sobald wie möglich. Im Januar wird sich die AG der Pfarrgemeideräte, voraussichtlich verstäkt von Vertretern aus den Vorstäden der PGRs und der KVs schon einmal mit dem Thema befassen.

Bistum Osnabrück gibt neuen monatlichen E-Mail-Newsletter heraus

„Gott sei Dank“ heißt der neue Newsletter des Bistums Osnabrück. Jeden Monat informiert er kostenlos per E-Mail über Themen rund um den Glauben und das Leben. Das Format liefert hilfreiche Tipps, Termine und geistreiche Impulse. So schreibt beispielsweise Autorin Andrea Schwarz in der ersten Ausgabe einen Impuls über „Anstößiges“ und Bischof Franz-Josef Bode erzählt, wann er gegen den Strom schwimmt. Außerdem berichten zwei Engagierte aus dem Bistum, wie sie Nachhaltigkeit im Alltag leben. Anmelden kann man sich für das neue Angebot unter www.bistum-osnabrueck.de/newsletter (Bild: Bistum Osnabrück)

 

 

Wenn eine tolle Idee die richtige Sprache findet …

Pflegt die Kirche eine elitäre Machtsprache? Den Vorwurf Drewermanns hält Thomas Winkel für zutreffend. Um auch nicht-religiöse Adressaten zu erreichen, fordert er: Fachsprache bitte nur da, wo unbedingt nötig – und Alltagssprache wann immer möglich.

Stell' dir vor, es gibt eine tolle Idee und niemand hört hin … Dann lässt sich herrlich jammern über "die Jugend von heute" oder über Menschen, denen anderes anscheinend wichtiger ist. Und die ach so wenig Vor-Wissen mitbringen, dass die tolle Botschaft buchstäblich nicht ankommt. Als ob!
Natürlich stellen sich auch heute viele die großen Fragen des Lebens, wie nicht nur der Boom bei Romanen zeigt: Fragen um Liebe und Verzeihen, um Schuld und Scheitern, um ein faires Miteinander und den Erhalt der Natur bis hin zur tödlichen Flutkatastrophe. Ja, und auch die Frage, ob es nicht mehr gibt als das, was sich unter dem Mikroskop im Labor oder über das Teleskop im All nachweisen lässt.
Stell' dir vor, du bringst deine Idee mal anders rüber: ohne leere Worthülsen, ohne Fachausdrücke – so dass auch Teenies und Twens sich verstanden fühlen, die Marktfrau hinhört und der Handwerker im Blaumann. Die Uni Erfurt will jetzt dazu beitragen, genauer ihre Katholisch-Theologische Fakultät. Wer dort studiert, soll künftig auch lernen, religiöse Inhalte für Adressaten aufzubereiten, die nicht religiös sind. Ich finde das spannend – und das Prinzip könnte zu einem Modell werden für die Rede (auch) von Gott in einer modernen, fast religionslosen Gesellschaft.
Da ist noch viel Luft nach oben. Gerade erst hat Eugen Drewermann der Theologie ein mieses Zeugnis ausgestellt (und in diesem Punkt hat er mal weitgehend Recht): Sie pflege die Machtsprache einer gebildeten Schicht, "die nur noch zum Nachsprechen weitergegeben wird". Trost sei damit nicht mehr möglich – einer der schlimmsten Vorwürfe, den man einer Religion machen kann.
Hier will ein Kardinal "dem Völkerapostel sekundieren", da fordern Funktionäre allen Ernstes "eine breitere sakramententheologische Reflexion" über Liebesbeziehungen, dort fürchtet ein Bischof, das Wort Glaube vermittle nicht die volle Bedeutung des griechischen Begriffs "Kerygma". Ja, mag sein – aber hundertprozentige Präzision ist im Atomkraftwerk, im Cockpit und am OP-Tisch angesagt, wahrscheinlich auch im theologischen Doktorandenseminar des Elfenbeinturms Uni. Doch im Gespräch mit Patienten und Passagieren ist dann vor allem Verständlichkeit gefragt, ebenso wie auf Plätzen und in Massenmedien. Also Fachsprache bitte nur da, wo unbedingt nötig – und Alltagssprache immer da, wo möglich.
Stell' dir vor, du hast eine tolle Botschaft und sprichst die Sprache der Menschen … So verstandene Theologie könnte nicht nur in Erfurt Schule machen. Schlicht und einfach: Denn am Anfang ist das Wort.

Der Autor: Thomas Winkel ist Chef vom Dienst der Katholischen Nachrichten-Agentur in Bonn.
Quelle des Textes: www.katholisch.de am 29.7.2021 Bild: pieter_bruegel_the_elder_the_tower_of_babel_google_art_project_cc0-gemeinfrei_wikimedia_pfarrbriefservice.jpg

Angesagt statt Abgesagt

Abgesagt!
Heißt es wieder.

Abgesagt!
Ist wieder angesagt.                                                                  Abgesagt!                                                                              

Die Feiern, die Feste,
die Besprechungen,
die Versammlungen,
die religiösen Angebote …

Nicht abgesagt!
Die Hoffnung,
dass wir es
auch diesmal schaffen.

Nicht abgesagt!
Die Liebe und Nähe,
die trotz allem Abgesagten
zwischen uns fließen kann.

Peter Schott, In: Pfarrbriefservice.de

Anfrage zu Taufpaten - Hat das Amt noch Sinn?

Im letzten Kirchenboten fand sich ein Artikel, der viele junge Eltern angeht, die ihr Kind taufen lassen wollen und vor der Frage stehen, wie sie mit dem Thema "Paten" umgehen sollen. Deshalb hier der Abdruck des Artikels für die, die den KIBO nicht beziehen:

Ein Kind wird getauft.Damit ein Kind getauft werden kann, braucht es nicht unbedingt einen Taufpaten. Tradition hat das Amt dennoch.

Wenn ein Kind getauft werden soll, ist die Suche nach Taufpaten nicht immer einfach. Wer soll? Wer darf? Warum gibt’s die überhaupt? Und: Geht’s nicht auch ohne? Ein italienisches Bistum hat Anfang August auf sich aufmerksam gemacht, weil es die Taufpaten abschafft – zumindest auf Probe für die kommenden drei Jahre. Warum? Weil der Bischof und sein Bistum der Meinung sind, dass das Patenamt seinen Sinn verloren hat. Den Sinn des Patenamtes findet man in der Frühzeit der Kirche, damals, als Erwachsene zum christlichen Glauben kamen. Jedem, der sich taufen lassen wollte, wurde ein erprobter Christ – bei Frauen gewöhnlich eine Christin – an die Seite gestellt, um den Bewerber in den Glauben einzuführen. Die Zeit der geistlichen Einführung, das sogenannte Katechumenat, dauerte lange, oft ein ganzes Jahr von Ostern bis Ostern – da wächst Beziehung. Deshalb führte der Pate seinen Täufling nicht nur zur Taufe, sondern blieb ihm auch danach ein treuer Begleiter in Lebens- und in Glaubensfragen.
Als die Kirche später zur Kindertaufe überging, verlor das Patenamt seinen praktischen Sinn, denn für eine Einführung in den Glauben sind vor allem die Eltern zuständig. Wichtig wurde jetzt eine gewisse soziale Verantwortung. So übernahmen Gutsherren Patenschaften und finanzierten zum Beispiel den Schulbesuch. Oder Verwandte erklärten sich mit der Patenschaft bereit, das Kind großzuziehen, falls die Eltern sterben. Das Kirchenrecht definiert die Paten bis heute als Wegbegleiter im Glauben. Deshalb müssen Paten katholisch sein, getauft, gefirmt und dürfen nicht ausgetreten sein. Freunde oder Verwandte, die diese Kriterien nicht erfüllen, können nur als Taufzeugen fungieren (Canon 874 §2). Das passt vielen Eltern nicht, und oft ist es auch schwierig, jemand Passenden zu finden. Zumal die Begleitung im Glauben für viele Familien eben nicht mehr im Vordergrund steht, sondern die persönliche Beziehung zum Kind – und zu den Eltern. Das bemängelt der italienische Bischof – und setzt deshalb das Patenamt aus. Scheitern muss die Taufe daran nicht: Das Patenamt ist gemäß Kirchenrecht nur eine „Kann-Vorschrift“ (Canon 872).

Susanne Haverkamp  Copyright 2020, Kirchenbote  Bild: Klaus Herzog in Pfarrbriefservice.de

Zwischen Bereitschaft und tatsächlicher Organspende klafft eine Lücke

Die Situation in Deutschland ist paradox: Die Zahl der Menschen mit Organspendeausweis ist von 25 Prozent im Jahr 2010 auf 36 Prozent im Jahr 2018 gestiegen, ebenso hat die in Umfragen bekundete Spendenbereitschaft in diesem Zeitraum um fünf Prozentpunkte zugenommen. Doch gleichzeitig werden immer weniger Organe tatsächlich gespendet. Wie kann das sein? Dafür werden drei Gründe genannt:
1. Die deutsche Entscheidungslösung führe dazu, dass viele Menschen der Organspende zwar grundsätzlich positiv gegenüberstehen und das in Umfragen bekunden, sich aber keine konkreten Gedanken machen, was nach ihrem Tod mit ihren Organen passiert und zum Beispiel trotz Spendenbereitschaft keinen Organspendeausweis besitzen.
2. 2012 wurde der größte Organspende-Skandal in der Geschichte der Bundesrepublik aufgedeckt: In Göttingen, Regensburg, München und Leipzig haben Mediziner/-innen Krankenakten gefälscht, um ausgewählte Patientinnen und Patienten bevorzugt mit Spenderorganen zu versorgen. Der Skandal sorgte für viel öffentliche Empörung, in den Folgejahren sanken die Spenderzahlen. Um Vorfälle wie diese in Zukunft zu verhindern, wurde im Jahr 2012 eine Überwachungskommission und eine Prüfungskommission von Vertreterinnen und Vertretern der Bundesärztekammer, der Deutschen Krankenhausgesellschaft und dem Spitzenverband der Krankenkasse gegründet. Die Kommissionen überprüfen seither, ob sich die deutschen Transplantationszentren an die Richtlinien bei der Vermittlung von Spenderorganen und der Organisation der Wartelisten halten.
3. Organspenden waren für die Entnahmekliniken bislang ein Minusgeschäft. Denn der Pauschalbetrag, den die Krankenkassen an die Krankenhäuser zahlen, deckt laut diesen nur die Operation ab, nicht aber die vorherige Versorgung der Patient/-innen auf der Intensivstation. Zudem haben die Transplantationsbeauftragen der Krankenhäuser im Alltagsgeschäft kaum Zeit für ihre Aufgabe. Deswegen würden viele Kliniken nicht alle potentiellen Organspender melden.

 Text aus Pfarrbriefservice.de Bild: Hardy Welsch in Pfarrbriefservice.de

 Digitalisierte Kirchenbücher - El Dorado für Familienforscher

Die Einträge in Kirchenbüchern aus 145 Pfarreien im Bistum Osnabrück können jetzt im Internet eingesehen werden. Georg Wilhelm, Joachim Herrmann und Maria Rehnen (von links) von Osnabrücker Bistumsarchiv haben sich um die digitale Aufbereitung der Seiten gekümmert.
(Bild: Bistum Osnabrück)

 

 

Das Bistumsarchiv kommt damit nach Angaben von Dr. Georg Wilhelm, der das Archiv betreut, zahlreichen Anfragen vor allem aus den USA und den Niederlanden entgegen, wo heute noch viele Nachfahren von Auswanderern aus dem Bistum Osnabrück leben. Das kostenlose Angebot sei „eine Fundgrube für Familienforscher“. Bis zum Jahr 1875 sind laut Wilhelm die Aufzeichnungen in den Kirchenbüchern oft der einzige Nachweis, dass eine Person überhaupt existiert hat: „Kirchenbücher liefern demografische Daten, geben Auskunft über gesellschaftliche Zusammenhänge, über Zuwanderung, aber auch Wegzug oder Auswanderung, Todesursachen, Todesalter, welchen Beruf jemand ausgeübt hat und wie seine gesellschaftliche Stellung war.“
Aufgrund von kirchenrechtlichen Schutzfristen sind die ins Internet eingestellten Daten mindestens 100 Jahre alt. Die ältesten Kirchenbücher stammen aus der emsländischen Gemeinde St. Nikolaus in Groß-Hesepe und gehen zurück bis ins Jahr 1612.

Die Kirchenbücher sind einsehbar über: http://data.matricula-online.eu/de/deutschland/osnabrueck

 

Kirchliche Datenschützer erleichtern Umgang mit Fotos von Minderjährigen

Die Diözesandatenschutzbeauftragten verwerfen ihre bisherige Rechtsauffassung beim Umgang mit Bildern von Minderjährigen: Eine pauschale Einwilligung der Sorgeberechtigten genügt nun – unter Umständen braucht es nicht einmal die.
Der datenschutzkonforme Umgang mit Fotos, die Kinder und Jugendliche zeigen, ist künftig deutlich einfacher geregelt. Die Konferenz der Diözesandatenschutzbeauftragten hat in einem am Montag veröffentlichten Beschluss ihre bisherige Rechtsauffassung revidiert: Die Datenschützer sehen es nun als zulässig an, für die Veröffentlichung von Fotos eine pauschale Einwilligung der Sorgeberechtigten einzuholen, etwa für ein ganzes Schul- oder Kindergartenjahr oder bestimmte Veranstaltungen wie Sommerlager. Die Einwilligung kann bereits bei der Anmeldung oder am ersten Schul- oder Kitatag eingeholt werden. Damit ändert die Konferenz ihre bisherige Position, gemäß der eine Freigabe jedes einzelnen Bildes durch die Sorgeberechtigten nötig war. Wörtlich heißt es in dem neuen Beschluss: "Das Erfordernis, dass das konkrete Bild im Zeitpunkt der Unterzeichnung der Einwilligungserklärung vorliegen soll, entfällt."
Quellbild anzeigenUnter Umständen kann auf Einwilligungen ganz verzichtet werden. Neben der Einwilligung sieht die Konferenz für die Erhebung (Fotografieren) und die Veröffentlichung nun auch eine Interessensabwägung als mögliche Rechtsgrundlage an. Damit kann unter bestimmten Voraussetzungen auch auf eine explizite Einwilligung der Sorgeberechtigten verzichtet werden. Auf der Grundlage einer Interessensabwägung zwischen Einrichtung und Abgebildeten können damit Bilder erhoben und veröffentlicht werden, ohne dass eine Einwilligung eingeholt werden muss. Als Kriterien dafür nennt der Beschluss den Paragraph 23 des Kunsturhebergesetzes. Darin sind verschiedene Ausnahmen von der Erfordernis einer Einwilligung genannt wie etwa "Bilder von Versammlungen, Aufzügen und ähnlichen Vorgängen", Bilder aus dem Bereich der Zeitgeschichte und Bilder, auf denen die abgebildete Person nur als "Beiwerk" neben dem eigentlichen Motiv erscheint. Bereits im Juli 2018 hatte die Konferenz darauf hingewiesen, dass diese Rechtsgrundlage unter bestimmten Umständen anwendbar sei.
Mit dem Beschluss, der bereits am 4. April verabschiedet und erst jetzt veröffentlicht wurde, hebt die Konferenz der Diözesandatenschutzbeauftragten erstmals eine vorher getroffene Aussage explizit auf. Beschlüsse der Konferenz, der die fünf Diözesandatenschutzbeauftragten Deutschlands angehören, haben keine Gesetzeskraft; sie dokumentieren die Rechtsauffassung der kirchlichen Aufsichtsbehörden, die sie bei ihrer Arbeit anwenden. Gegen konkrete Entscheidungen der Diözesandatenschutzbeauftragten kann auf dem Rechtsweg vorgegangen werden. Dazu wurden eigens kirchliche Datenschutzgerichte eingerichtet.
Seit dem 24. Mai 2018 gilt in der katholischen Kirche in Deutschland das Gesetz über den kirchlichen Datenschutz, das weitgehend den staatlichen Regelungen der europäischen Datenschutzgrundverordnung entspricht. Um die Praktikabilität des kirchlichen Datenschutzes hat sich seither eine Debatte in der Kirche entsponnen. Verbände wie die Gesellschaft katholischer Publizisten und Experten aus Öffentlichkeitsarbeit und Pastoral kritisierten einzelne Regelungen deutlich. Fälle wie der einer Kita, in deren Publikationen Fotos von Kindern geschwärzt wurden, gingen durch die Presse. Zuletzt hatte der Bund der deutschen katholischen Jugend (BDKJ) Anfang Mai eine Stellungnahme verabschiedet, in der unter anderem eine Überprüfung der Regeln für den Umgang mit Einverständniserklärungen bei Fotos von Minderjährigen gefordert wurde. (fxn)