Lesungen          Gottesdienste

Manchmal stößt man auf Texte, die muss man sofort weitergeben. Der nachfolgende ist von Andrea Schwarz, Schriftstellerin und pastorale Mitarbeiterin in unserem Bistum. Gerade erst hat sie über die Kath. Erwachsenenbildung Vorträge in unserer Region gehalten und sich der Diskussion gestellt. Heute - veröffentlich im Bistumsblog- stellt sie die Forderung auf, die Corona-Entschleunigungen und -ausfälle hinter sich zu lassen und auf Sicht und mit Verantwortung wieder loszulegen in Pastoral und sonstigem kirchlichen Geschehen.Wer jetzt nicht loslegt, wird nächstes Jahr vielleicht niemanden mehr vor sich finden, mit dem er/sie dann etwas fortsetzen kann. Also: Mut! 

Auf Sicht fahren – aber fahren!

Irgendwie fiel mir die Tage eine kleine Episode ein, die ich vor einigen Jahren auf der Fähre nach Juist erlebt habe. Wir wollten uns damals im Dezember noch ein paar Tage adventliche Auszeit gönnen – und wenn man schon das Privileg hat, so nah an den Inseln zu wohnen, warum die Chance nicht nutzen und einfach hinfahren?
Als die Fähre in Norddeich ablegte, lag eine richtig dicke Nebelsuppe über der See – und so machten wir es uns unter Deck bei einem Kaffee gemütlich. Schließlich meldete sich der Kapitän per Lautsprecher zu Wort: „Wir müssten gleich im Juister Hafen anlegen. Wir sehen ihn zwar noch nicht, aber nach unseren Instrumenten müsste er da sein.“ Wir beide sahen uns an und mussten lachen.
Warum mir mitten im Juli diese Dezember-Nebel-Geschichte von Juist einfällt?
Im Moment fahren wir aufgrund von Corona auch ein bisschen im Nebel umher. Man kann nicht so arg weit gucken und muss deshalb besonders aufpassen. Leider gibt es keine Instrumente, die uns und unseren Kapitänen den Weg durch den Corona-Nebel zeigen. Und dazu kommt, dass wir die Gewässer, durch die wir grad steuern, nicht kennen. Deshalb müssen wir langsam machen und „auf Sicht fahren“, um rasch gegensteuern zu können, wenn plötzlich etwas Unerwartetes passiert.
Ja, es war richtig, in den letzten Monaten alle unnötigen Fahrten einzuschränken, um mit der akuten Situation klar zu kommen. Aber Bischof Bode hat zu Recht darauf hingewiesen, dass wir jetzt aus der akuten in eine „chronische Phase“ von Corona kommen. Und deshalb müssen wir lernen, irgendwie mit dem Virus zu leben.
Das heißt aber auch, so langsam mal wieder ins Planen zu kommen, Perspektiven zu entwickeln, Ideen zu spinnen. Nicht nur Notstandsverwaltung zu machen, sondern kreativ das Herbst- und Frühjahrsprogramm anzugehen, natürlich unter Einhaltung aller Hygienekonzepte und Wahrung aller Abstandsregeln. Und unter allem Vorbehalt, wie die aktuelle Situation sich weiter entwickelt. Es geht eigentlich darum, so eine Art „Programm trotz Corona“ zu machen, Veranstaltungen zu planen, Referent*innen anzufragen, das Pfarrheim zu belegen. Endlich mal wieder „in die Pötte“ zu kommen …
Ja, es kann sein, dass die aktuelle Situation uns dann dazu zwingt, das eine oder andere wieder abzusagen. Aber das haben wir in den vergangenen Monaten gut gelernt, das können wir inzwischen. Und jede*r hat Verständnis dafür – Teilnehmer*innen, Referent*innen, Veranstalter.
Planen müssen wir grad erst wieder neu lernen.
Aber wenn wir jetzt nicht voraus schauen und damit keine Veranstaltungen im Terminkalender stehen haben, dann wird im nächsten Jahr auch nichts laufen.
Wir werden wohl noch einige Zeit „auf Sicht fahren“ müssen. Das ist nicht schön, und wir mögen es nicht. Aber wie heißt es auf einer dieser netten Spruchkarten? „Wir sind hier nicht bei „wünsch dir was“, sondern bei „so isses“.
Vielleicht es einfach probieren – nicht wild drauf los, sondern verantwortet, überlegt. Schritt für Schritt. Auf Sicht fahren. Und absagen können wir auch nur das, was wenigstens schon mal geplant war.
Aber auf jeden Fall nicht im Hafen liegenbleiben und vor sich hin dümpeln …