Lesungen          Gottesdienste

Alice Hasters: Was weiße Menschen nicht über Rassismus hören wollen, aber wissen sollten

Warum ist die Frage „Wo kommst du her?“ für Menschen anderer Hautfarbe oft so verletzend? Warum sollten sich Sternsinger-Kinder nicht mehr das Gesicht schwarz anmalen müssen? Warum ist es nicht lustig, sich im Karneval als Afrikaner mit Baströckchen zu verkleiden? Alice Hasters beantwortet in ihrem Buch „Was weiße Menschen nicht über Rassismus hören wollen, aber wissen sollten“ u. a. diese Fragen. Sie schreibt als junge Schwarze Frau über ihre Erfahrungen mit Alltagsrassismus in Deutschland.
Doch das Buch ist weit mehr als eine Schilderung eigener Erlebnisse. Sie dienen ihr als Ausgangspunkt, um zu beleuchten, was Rassismus ist, wie er sich geschichtlich entwickelt hat und wie er heute noch wirkt. Was deutlich wird, ist eine bewusstseinsmäßige Zweiteilung in der Gesellschaft. Weiße Menschen bekommen von Rassismus nichts mit, weil sie nicht betroffen sind. Will man etwas über rassistische Mechanismen herausfinden, muss man auf Betroffene hören. Durch die Lektüre des Buches bekommt man ein Gefühl dafür, wie umfassend Menschen von Rassismus betroffen sein können. Alice Hasters gliedert ihr Buch in „Alltag“, „Schule“, „Körper“, „Liebe“ und „Familie“. Kein persönlicher Bereich kommt ungeschoren davon. Immer wieder reflektiert sie, warum das so ist. So erfährt man viel Hintergründiges, das längst auch im Schulunterricht seinen Platz hätte finden müssen.
Alice Hasters wurde 1989 in Köln geboren, ihre Mutter ist Schwarze Amerikanerin, ihr Vater weißer Deutscher. Sie arbeitet als Journalistin, Buchautorin und Podcasterin.

Elfriede Klauer, In: Pfarrbriefservice.de Bild by Martina Dittmer-Flachskampf in ww.pfarrbriefservice.de
P.S.: Das Buch mit dem zum obigen Titel ist im Carl Hanser-Verlag erschienen.

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Zusammenhalten,  das ist eine zentrale Botschaft und Aufgabe  für 2022: für die Gesellschaft, die sich immer mehr aufspaltet und in der Agression und Intoleranz wachsen. Für die Kirche, die Reformen anpacken und auch grundlegende Änderungen auf den Weg bringen muss - und dabei sich durch die Botschaft trotzdem als die eine Kirche, die Jesus gewollt hat, sehen kann. Zusammenhalten - zusammenbleiben - zusammenraufen -und mit Geduld aber auch Beharrlichkeit an die Zukunft glauben. 

Es spricht nicht viel dafür, dass es dich gibt, Gott.
Vielleicht haben die Recht, die dich für eine Projektion halten,      
für das Produkt infantiler Wünsche.
Aber:
Sollte wirklich hinter allem Sinn die Sinnlosigkeit lauern,
hinter aller Ordnung das Chaos, hinter aller Liebe die Kälte,
hinter allem Vertrauen die Verzweiflung?
Es spricht nicht viel dafür, dass der Mensch mehr ist als ein Tier,
Zufallsergebnis der Evolution, Irrläufer des Kosmos,
im Gefängnis von Bedürfnissen und Aggressionen.
Aber:
Sollte der Mensch wirklich ein tragisches Wesen sein
Freiheit erfahrend, die keine ist, Sehnsucht verspürend, die nie erfüllt wird,
alle Grenzen sprengend und doch im Erdloch hockend?
Es spricht nicht viel dafür,
dass in einem galiläischen Rabbi der Himmel auf die Erde gekommen ist,
dass sich in ihm das tiefste und heiligste Geheimnis als unendliche Liebe kundgetan hat.
Vielleicht war er nichts als ein Wanderprediger, wie andere auch.

Aber:
Gab es je einen Menschen, der glaubwürdiger Mensch war, der lauterer, heiliger, freier, konsequenter, wohltuender war als er, der die Liebe radikaler gelebt hat?
Und: Könnte nicht die Paradoxie des Kreuzes die wahre Weisheit sein?
Es spricht nicht viel dafür,
dass der Mensch nicht tot ist, wenn der Körper zerfällt,
dass das Ich nicht erlischt, wenn die Instrumente verstummen.
Aber: Könnte nicht alles ganz anders sein, als der Augenschein wahrhaben will:
dass sich in allem Kleinen das Große verbirgt, in allem Natürlichen das Übernatürliche,
in allem Menschlichen das Göttliche, in allem Tod das Leben?
Es spricht nicht viel dafür, Gott.
Aber Du sprichst dafür.
Du hast mich betört, o Herr, und ich ließ mich betören. (Jer 20,7) Amen.
                                                                                       (Paul Thiry d’Holbach 1723-1789)

Über 200 Jahre alt ist dieser Text - doch er könnte heute geschrieben worden sein. Die Frage nach Gott und die Möglichkeit, andere von seiner Existenz zu überzeugen ist heute vielleicht noch schwerer geworden. Die Theologie hat sich entwickelt, sie hält Anfragen auch stand - aber am Ende kommt es wie bei d`Holbach darauf an, seine eigenen Antwort zu geben - mit einem Sprung in den Glauben hinein. Es ist, wie Hans Küng immer wieder betont, nicht unvernünftig, an Gott zu glauben, aber neben aller Vernunft muss dann das finale "Ja" erfolgen, das nicht Endergebnis von Reflexion ist, sondern Vertrauen, begründetes Vertrauen.            (Bild: Martha Gahbauer in: Pfarrbriefservice.de) 

In Corona*Pein gelassen sein
was fällt mir – ganz persönlich – dazu ein?

mit  Ruhe  abwarten  —  na  ja  —  schaun  mer  mal — stets  bereit,  Neues   zu   erleben   —  und  — Anderes vielleicht sogar  —  GanzAnderes  — dafür offen sein - frisch, froh, fromm  und frei  ----  im  Ja  zu  mir  selber —  so  wie  ich  bin   —  leben  im   Corona*-Vir(r)warr und zugleich darüber hinaus —  ist das denn möglich?
—  bin  echt gespannt   —  entspannt  optimistisch  — und   ohne   Stress   geduldig    —    sich   überraschen lassen   —  komme   was  kommt   —   auch  Schweres, Hartes,  Unbegreifliches  —  Geheimnis  des Lebens in  dem,  aus  dem  und  mit  dem  —  ich  mir  wie  dir, meinem  nahen  Nächsten  —  auch  dem  Fernsten  — den  Hauch  von Liebe, Glück, Mut, Freude  gönne  und wünsche  — zu erfahren und zu bewahren —  ja,  und bei alledem  —  dann  und  wann  —  einfach  mal  nur da sein  —  ohne ein Warum   —  und  ohne ein  Wozu — schon  —  und noch  —  und doch  gelassen  sein  —  und bleiben

                                                Text: Klaus Jäkel, In: Pfarrbriefservice.de  Bild: Melanie_Zils in: Pfarrbriefservice.de

Die neue Hoffnung

Es ist nicht zu leugnen:
was viele Jahrhunderte galt,
schwindet dahin. Der Glaube,
höre ich sagen, verdunstet.
                             Gewiss, die wohlverschlossene
                             Flasche könnte das Wasser
                             bewahren. Anders die offene
                             schale: sie bietet es an.
                                                Zugegeben: nach einiger Zeit
                                                findest du trocken die Schale,
                                                das Wasser schwand. Aber merke:
                                                die Luft ist jetzt feucht.
                                                           Wenn der Glaube verdunstet,
                                                           sprechen alle bekümmert von
                                                           einem Verlust. Und wer von
                                                           uns wollte dem widersprechen?
                                                                        Und doch: einige wagen
                                                                        trotz allem zu hoffen.
                                                                        Sie sagen: Spürt Ihr’s noch nicht?
                                                                        Glaube liegt in der Luft!

                                                                                                               Lothar Zenetti