Lesungen          Gottesdienste

Kreise ziehen

Ein alter Professor ist verstorben und seine drei Söhne machten sich daran, seinen Haushalt aufzulösen. Dabei fanden sie in seinem Arbeitszimmer neben zahlreichen wertvollen Sachen einen harten, vertrockneten Laib Brot. Die Haushälterin, die den Professor bis zu
seinem Tod betreut hatte, wusste, was es mit diesem Brot auf sich hatte und erzählte es den drei Männern:
In den ersten Jahren nach dem Krieg war der Professor todkrank. Deshalb schickte ihm ein guter Freund einen Laib Brot, damit der Professor etwas zu essen hatte. Der aber dachte an die verarmte Nachbarsfamilie mit ihren Kindern und ließ ihnen das Brot bringen. Die Nachbarsfamilie war sehr berührt ob der Güte des Professors. Aber sie mochte das wertvolle Brot nicht für sich behalten und gab es an eine arme alte Witwe weiter, die im Haus in einer kleinen Dachkammer wohnte. Die alte Frau brachte das Brot ihrer Tochter, die mit einem Kleinkind ein paar Häuser weiter wohnte und nichts zu essen hatte. Die Mutter dachte an den todkranken Professor, der ihren kleinen Sohn bereits einmal geholfen und dafür kein Geld genommen hatte. Und so schickte sie den Laib an den Professor.
Der Professor hat das Brot sofort wieder erkannt. Als er nun den Laib in der Hand hielt, sagte er: „Solange noch Menschen unter uns leben, die so handeln, braucht uns um unsere Zukunft nicht bange zu sein.“ So legte er es in den Schrank. Er wollte es immer wieder ansehen, wenn er mal nicht weiter wusste und die Hoffnung verlor.                       Autor unbekannt

"Autobiographie in fünf Kapiteln":


I.
Ich gehe eine Straße lang.
Da ist ein tiefes Loch im Gehsteig.
Ich falle hinein.
Ich bin verloren...Ich bin ohne Hpffnung.
Es ist nicht meine Schuld.
Es dauert endlos, wieder herauszukommen.
II.
Ich gehe dieselbe Straße entlang.
Da ist eine tiefes Loch im Gehsteig.
Ich tue so, als sähe ich es nciht.
Ich falle wieder hineien.
Ich kann nicht glauben, schon wieder am gleichen Ort zu sein.
Aber es ist nicht meine Schuld.
Immer noch dauert es sehr lange, herauszukommen.
III.
Ich gehe dieselbe Straße entlang.
Da ist ein tiefes Loch im Gehsteig.
ich sehe es.
Ich falle immer noch hinein...aus Gewohnheit.
Meine Augen sind offen,.
Ich weiß, wo ich bin.
Es ist meine Schuld.
Ich komme sofort heraus.
IV.
Ich gehe dieselbe Straße entlang.
Da ist ein tiefes Loch im Gehsteig.
Ich gehe darum herum.
V.
Ich gehe eine andere Straße.

Lachen macht menschlich

Lachen ist menschlich
ur-menschlich
und macht menschlich

Lachen verbindet
vereint
verschwistert Jung und Alt                                                                                                                                                                      
und Groß und Klein
Rassen und Klassen
Stämme und Völker
hautnah und weltweit

ein Lächeln von Herzen
kommt an
heilt und wirkt Wunder
verwandelt
gestaltet
formt und entfaltet

Runzeln zum Schmunzeln
Harm zu Charme
Fremde zu Freunden
im Nu
geschenkt und narrensicher

miteinander lachen
bringt Leben und Freude
Lebensfreude
zeigt und zeugt und öffnet
für alle ein Stück Himmel

Klaus Jäkel, In: Pfarrbriefservice.de

Regeln für Realpräsenz

Wir haben mit dem Leben
keinen unbefristeten Vertrag
Zeit schenkt sich nur
von nun auf jetzt

vertreibe deine Zeit doch nicht
und schlage sie auch nicht tot
gleich einer Fliege die belästigt
zerpflücke nicht den Tag

nutze die Zeitfenster
zum stillen Schauen
geistesgegenwärtig
bewohne deinen Leib

übergehe nicht die Rose unterwegs
bleib stehn und atme ihren Duft
nur der Augenblick ist wirklich
wann lebst du wenn nicht jetzt

Andreas Knapp

Unbekannte, ungenannte Heilige

Kein kirchliches Verfahren
wurde angestrengt,
um sie heilig zu sprechen.
Keine Wunder wurden ihnen nachgesagt.

Wir wissen nicht, wie sie aussahen.
Wir kennen ihr Leben nicht
Wir flehen sie nicht um ihre Fürbitte an.
Wir kennen nicht einmal ihren Namen.

Aber es gab sie und gibt sie:
Männer und Frauen,
verheiratet oder auch nicht,
gewiss nicht fehlerlos,
aber guten Willens.

Unzählige sind längst tot.
Unzählige leben heute
mitten unter uns.
Unbemerkt.

Menschen
wie du und ich.

Wie du und ich
berufen zur Heiligkeit.

Gisela Baltes, www.impulstexte.de. In: Pfarrbriefservice.de

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